Die wichtigsten Fakten
- Huda Kattan zählt zu den erfolgreichsten Beauty-Influencerinnen der Welt und hat mehr als 37 Millionen Follower.
- Ihre Kosmetiklinie Huda Beauty wird mit einem geschätzten Vermögen von rund 490 Millionen Euro in Verbindung gebracht.
- Kattan ist Tochter irakischer Einwanderer und wuchs unter anderem im US-Bundesstaat Tennessee auf.
- Bereits mit zwölf Jahren setzte sie Make-up bewusst ein, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken.
- Im Jahr 2010 startete sie einen Beauty-Blog; später baute sie gemeinsam mit ihren Schwestern Mona und Alya ein Kosmetikimperium auf.
- Dubai bezeichnet sie als entscheidenden Standort für ihren unternehmerischen Erfolg.
Von Make-up-Videos zu einem globalen Kosmetikunternehmen
Huda Kattan gehört zu den bekanntesten Gesichtern der internationalen Beauty-Welt. Mit ihren Schminkvideos in sozialen Netzwerken und mehr als 37 Millionen Followern wurde sie zu einer der erfolgreichsten Influencerinnen überhaupt. Aus ihrer Leidenschaft für Make-up entstand die eigene Kosmetiklinie Huda Beauty, mit der die in Dubai lebende Unternehmerin ein geschätztes Vermögen von rund 490 Millionen Euro erreicht hat. Ihr Weg dorthin ist alles andere als geradlinig verlaufen und erzählt von familiären Brüchen, dem Gefühl des Fremdseins und einer sehr frühen Entdeckung: Make-up war für sie nicht nur Schönheitspflege, sondern ein Mittel, um sich selbst zu behaupten.
Kattan ist die Tochter irakischer Einwanderer. Ihr Vater war Professor, die Familie zog häufig um, weil er bessere berufliche Möglichkeiten suchte. Die Kindheit beschreibt sie rückblickend als wenig unbeschwert. Es sei oft ein kleiner Überlebenskampf gewesen, während der Vater studierte und die Familie versuchte, über die Runden zu kommen. Für Huda Kattan bedeutete das ständige Anpassung: neue Wohnorte, neue Schulen, neue Umgebungen. Diese Erfahrungen hätten sie geprägt und auf eine Weise mutig gemacht, die sie heute als Grundlage für ihre unternehmerische Härte betrachtet. Wer früh lernt, mit Unsicherheit umzugehen, entwickelt möglicherweise eine Widerstandskraft, die im Geschäftsleben zum Vorteil wird.
In ihrer Highschool in Tennessee wurde sie nach eigener Darstellung wegen ihres exotischen Aussehens ausgegrenzt. In dieser Zeit begann sie, sich intensiv mit Make-up zu beschäftigen. Getreu dem Credo „viel hilft viel“ legte sie schon mit zwölf Jahren mehrere Schichten auf und entwickelte einen Look, der ihr Halt gab. Die Schminke stärkte ihr Selbstbewusstsein. Was zunächst wie ein jugendliches Experiment wirkte, wurde später zur beruflichen Leidenschaft. Kattan erkannte früh, dass Schönheit nicht nur mit Äußerlichkeiten zu tun hat, sondern auch mit Selbstwahrnehmung, Kontrolle und der Möglichkeit, sich in einer Umgebung zu behaupten, in der man sich sonst nicht zugehörig fühlt.
Als junge Frau arbeitete Huda Kattan zunächst als Finanzanalystin in Dubai. Doch der Wunsch, sich beruflich mit Beauty zu beschäftigen, blieb. Sie begann eine Ausbildung zur Visagistin und lernte dort Techniken, die sie später in Video-Tutorials weitergab. Im Jahr 2010 startete sie ihren Blog hudabeauty.com, auf dem sie Schminktipps und Produktvorstellungen veröffentlichte. Der Blog wurde zu einem der meistgelesenen Beauty-Blogs im Internet. Besonders Frauen im Nahen Osten verehrten sie für ihren Erfolg und ihre Make-up-Philosophie. Kattan verband praktische Anleitungen mit einer persönlichen Geschichte: Sie zeigte nicht nur, wie man sich schminkt, sondern auch, wie man Selbstvertrauen aufbauen kann.
Gemeinsam mit ihren beiden Schwestern Mona und Alya baute Huda Kattan schließlich ein Kosmetikimperium auf. Das erste Produkt waren falsche Wimpern aus einer synthetischen Faser, die Nerz-Pelz imitieren sollte. Die Wimpern trafen offenbar einen Nerv: Die US-Prominente Kim Kardashian wurde Kundin, was dem jungen Unternehmen zusätzliche Aufmerksamkeit brachte. Später wurde das Sortiment erweitert, und die Wimpern waren auch in einer Luxus-Version aus echtem Nerz erhältlich. Aus einem Blog und ersten Produkten entstand eine Marke, die heute international präsent ist und zu den bekanntesten Namen der Beauty-Branche zählt.
Der wirtschaftliche Erfolg blieb nicht unbemerkt. Huda Kattan wurde auf einer viel beachteten Liste erfolgreicher Unternehmerinnen geführt, auf der auch Beyoncé und Oprah Winfrey stehen. Für Kattan war das eine besondere Ehre, denn sie bezeichnet die beiden als ihre Vorbilder. Zugleich betont sie, dass solche Anerkennung nicht täglich erfahrbar sei. Man arbeite ständig hart und bekomme nicht permanent Bestätigung. Der Platz auf einer solchen Liste sei deshalb nicht nur ein Symbol für Erfolg, sondern auch eine Erinnerung daran, dass sich Ausdauer langfristig auszahlen kann.
Der Einstieg in die Kosmetikindustrie war nach ihren Worten ein Fluch und ein Segen zugleich. Der Markt sei bereits sehr heiß gewesen, als sie mit ihrem Unternehmen begann. Das habe einerseits für viel Entwicklung und Dynamik gesorgt, andererseits aber auch für einen intensiven Wettbewerb. Alle hätten versucht, im Beauty-Geschäft mitzuspielen. Kattan unterscheidet jedoch zwischen denen, die nur am Geschäft teilhaben wollen, und denen, die wirklich Teil dieser Welt sind. Sie selbst beschreibt sich als besessen davon, Tipps und Tricks zu finden, um noch schöner auszusehen. Der Antrieb sei bis heute kindlich geblieben: Sie fühle sich wie ein kleines Kind, wenn sie mit Make-up spiele und mit Produkten experimentiere, um herauszufinden, wie man das eigene Aussehen verändern und diese Erkenntnisse mit anderen teilen kann.
Auf die Frage, welchen Rat sie ihrem jüngeren Ich geben würde, antwortet Kattan mit einer einfachen, aber schwer umzusetzenden Einsicht: Man werde es nie allen recht machen können. Sie fragt sich, warum Menschen sich so oft auf die konzentrieren, die sie vielleicht nicht mögen, und darüber nachdenken, was diese über sie denken könnten. Wichtiger sei doch, an die Menschen zu denken, die einen mögen. Warum interessiere man sich so sehr für die Meinung anderer? Aber genau so seien Menschen nun einmal. Diese Haltung zieht sich durch ihre öffentlichen Auftritte: Kattan betont Selbstbestimmung, ohne den Druck durch soziale Medien zu leugnen.
Als starke Frau und Vorbild für viele junge Mädchen nimmt sie ihre Rolle sehr ernst. Sie spricht von einer großen Verantwortung, gerade in sozialen Netzwerken. Als das Geschäft erste Erfolge zeigte, habe sie kurzzeitig sogar etwas Motivation verloren, weil sie begann, über den Sinn ihres Tuns nachzudenken. Tut sie es für ihre Kinder, für ihre Tochter, für die nächste Generation? Dabei denkt sie nicht nur an Millennials, sondern auch an die Generation Alpha, also an die zwischen 2000 und 2010 Geborenen. Sie macht sich Gedanken über die Welt, in der diese Kinder aufwachsen. Soziale Medien setzten Menschen unter Druck, und sie wisse, wovon sie spreche. Ständig würden Inhalte und Anreize auf die Nutzer einprasseln. Diese Entwicklung beschäftigt sie intensiv.
Auch das Thema Mutterschaft hat ihren Blick verändert. Kattan sagt, sie habe nie Mutter werden wollen. Als sie dann ein Kind bekam, habe sie die Aufgabe sehr ernst genommen. Sie habe ihre Tochter oft gefragt, ob sie wolle, dass sie nur Mama sei. Die Antwort habe gelautet: Nein, sie wolle, dass sie Huda Beauty ist. Diese Haltung beeindruckt Kattan bis heute. Ihre Tochter sehe Frauen heute ganz anders, als es frühere Generationen taten, für die Feminismus oft etwas Negatives hatte. Für die Tochter sei der Begriff positiv besetzt. Sie erlebe eine andere Welt, und Kattan möchte, dass es eine gute Welt ist, in der Menschen wieder zu sich selbst finden.
Die Zusammenarbeit mit ihren Schwestern beschreibt sie als herausfordernd, aber produktiv. In Familien sage man sich oft Dinge, die man anderen Menschen nie sagen würde. Grenzen würden definitiv überschritten. Dennoch arbeiten die drei schon lange zusammen und haben gelernt, sich anzupassen. Jeder habe seine eigene Art, die man verstehen müsse. Es gebe Zeiten, in denen man sich auf den anderen einstelle, und Zeiten, in denen das nicht gelinge. Letztlich verfolgen sie aber ein gemeinsames Ziel und versuchen, sich gegenseitig voranzutreiben. Diese Mischung aus familiärer Nähe und unternehmerischer Disziplin prägt das Unternehmen bis heute.
Dubai spielt für Kattan eine zentrale Rolle. Sie bezweifelt, dass sie in den USA erreicht hätte, was sie in Dubai erreicht hat. Die Vision von Scheich Mohammed und dessen Fähigkeit, ohne Grenzen zu denken, hätten sie inspiriert. Dubai sei ein neues Land, die Vereinigten Arabischen Emirate seien erst 40 Jahre alt. Welches Land schaffe in so kurzer Zeit Vergleichbares? Für Menschen, die hierherziehen, sei der Anfang sicher schwer, sie müssten einen Weg finden, sich anzupassen. Kattan selbst will nach eigenen Worten nie wieder weg. Dubai ist für sie nicht nur ein Standort, sondern ein Teil ihrer Erfolgsgeschichte.
Was sie am Boden hält, ist ihre Familie, insbesondere ihre Tochter. Sie beschreibt sie als sehr geerdet und einfach. Die Tochter interessiere sich nicht für den ganzen Rummel, sie wolle nur mit Barbies spielen, Schleim machen oder bunte Regenbogen-Spaghetti. Wenn Kattan nach Hause komme, erfülle das ihre Seele. Inmitten eines globalen Unternehmens und einer Marke, die ständig wächst, bleibt das private Familienleben ein Anker. Diese Erdung hilft ihr offenbar, die öffentliche Aufmerksamkeit und den Druck des Beauty-Geschäfts auszubalancieren.
Für die Zukunft hat Huda Kattan größere Pläne als nur eine Kosmetikmarke. Sie will die Welt der Schönheit mit anderen starken Marken mitgestalten und eine Pionierrolle übernehmen. Schönheit soll als etwas Warmes und Wohliges verstanden werden, sodass sich Menschen durch sie gestärkt fühlen. Der Anspruch ist, die Beauty-Welt nicht nur durch Produkte zu prägen, sondern durch eine Haltung: Selbstbewusstsein, Fürsorge und die Überzeugung, dass Schönheit mehr ist als Oberfläche. Kattan will zeigen, dass ein Unternehmen aus Dubai globale Maßstäbe setzen kann, ohne die familiären Wurzeln und die persönliche Geschichte zu verleugnen.
Source: euronews News