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Mira Murati: ChatGPT kennt CTO von OpenAI nicht

Oct 19, 2026  Twila Rosenbaum  15 views
Mira Murati: ChatGPT kennt CTO von OpenAI nicht

Die Technikchefin im Zentrum des KI-Booms

Mira Murati ist eine der sichtbarsten Figuren der aktuellen Welle künstlicher Intelligenz. Als Chief Technology Officer von OpenAI trägt sie die technische Verantwortung für Produkte, die innerhalb kurzer Zeit den Alltag vieler Menschen verändert haben. Ihr Name steht vor allem für ChatGPT, jenen Chatbot, der auf komplexe Fragen antwortet, Texte formuliert, Code erklärt und Bilder beschreiben kann. Daneben verantwortet sie die Teams für DALL-E, ein Programm, das aus Textbeschreibungen Bilder erzeugt. Die Kombination aus Sprachmodell und Bildgenerator hat OpenAI zu einem der bekanntesten KI-Unternehmen der Welt gemacht.

Die öffentliche Wahrnehmung konzentriert sich oft auf einzelne spektakuläre Beispiele. Dahinter steht jedoch ein technisches und organisatorisches Großprojekt. Murati leitet Teams, die Modelle trainieren, Produkte weiterentwickeln und Risiken bewerten müssen. Sie ist damit nicht nur Ingenieurin, sondern auch Führungskraft in einem Feld, in dem Forschungsgeschwindigkeit, Sicherheitsfragen und wirtschaftlicher Druck gleichzeitig wirken. Der Hype um ChatGPT hat diese Verantwortung zusätzlich vergrößert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mira Murati ist Chief Technology Officer bei OpenAI.
  • Sie leitet die Teams für ChatGPT und DALL-E.
  • ChatGPT erreichte nach rund zwei Monaten etwa 100 Millionen aktive Nutzer.
  • Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco hatte zum Berichtszeitpunkt rund 375 Mitarbeiter und soll mit etwa 30 Milliarden Dollar bewertet worden sein.
  • ChatGPT kannte Murati zunächst nicht als CTO, weil die Trainingsdaten nur bis 2021 reichten.
  • Murati wurde erst im Mai 2022 CTO – also nach dem zeitlichen Horizont der damaligen Wissensbasis.
  • Über ihre Herkunft und Ausbildung kursieren unterschiedliche Angaben.
  • Sie warnt vor Missbrauch und plädiert für Regulierung, die mit menschlichen Werten vereinbar ist.

Warum die KI ihren Namen nicht kannte

Die Ausgangsbeobachtung klingt zunächst wie eine Anekdote, ist aber ein Lehrstück über die Grenzen großer Sprachmodelle. Fragt man ChatGPT nach Mira Murati, zeigte sich der Textroboter in der frühen Phase erstaunlich unsicher. Auf die Nachfrage, ob sie nicht CTO von OpenAI sei, wich die KI aus oder lieferte ungenaue Angaben. Der Grund liegt in der Funktionsweise: Das Modell wurde mit großen Mengen öffentlich verfügbarer Texte trainiert, darunter Webseiten, soziale Medien, Foren, Zeitungsartikel und Bücher. Entscheidend ist jedoch der Stichtag der Daten. Nach damaligen Angaben reichte die Wissensbasis bis ins Jahr 2021.

Murati arbeitet seit knapp fünf Jahren bei OpenAI, doch CTO wurde sie erst im Mai 2022. Damit fällt ihre Ernennung in einen Zeitraum, der in den damaligen Trainingsdaten nicht abgebildet war. Die KI konnte also über eine Tatsache nicht sprechen, die nach ihrem Wissensstand schlicht noch nicht existierte. Das ist kein Beweis für mangelnde Intelligenz, sondern für die Abhängigkeit von Daten und Zeitpunkten. Ein Sprachmodell ist kein Live-Lexikon. Es erzeugt Antworten aus Wahrscheinlichkeiten, die aus vergangenen Texten gelernt wurden. Fehlt eine Information oder ist sie nicht ausreichend verknüpft, entstehen Lücken, Ausweichmanöver oder falsche Aussagen.

Der Fall zeigt zugleich, wie schnell sich die öffentliche Wahrnehmung von Technik und Personen verschieben kann. Während der Chatbot längst zum Synonym für generative KI geworden ist, blieb seine technische Leiterin für das Modell selbst unsichtbar. Für Nutzer wirkt das paradox: Eine Anwendung, die über fast jedes Thema zu sprechen scheint, kennt die eigene Führungskraft nicht. Für Entwickler ist es eine Erinnerung daran, dass Aktualität, Quellenlage und faktische Genauigkeit nicht automatisch mit sprachlicher Gewandtheit einhergehen.

Werdegang einer Ingenieurin

Über Muratis frühen Lebensweg gibt es widersprüchliche Darstellungen. Einige Berichte beschreiben sie als Tochter albanischer Eltern, geboren in San Francisco. Andere legen nahe, dass sie in Albanien geboren wurde und dort auch einen Abschluss erworben habe. Selbst das Geburtsjahr wird unterschiedlich angegeben, mit Angaben zwischen 1986 und 1988. Solche Unschärfen sind bei Personen aus der Technologiebranche nicht ungewöhnlich, weil öffentliche Biografien oft aus einzelnen Profilen, Interviews und Unternehmensangaben zusammengesetzt sind. Einheitliche Primärquellen fehlen häufig.

Auch bei der Ausbildung weichen die Darstellungen voneinander ab. Im Netz finden sich Berichte über ein Informatikstudium in Tirana und einen Masterabschluss am Massachusetts Institute of Technology. In ihrem öffentlichen Berufsprofil ist dagegen ein Bachelor-Abschluss aus dem Jahr 2012 in Maschinenbau am Dartmouth College in New Hampshire angeführt. Das ist ein bemerkenswerter Unterschied, denn er betrifft nicht nur eine Station, sondern die fachliche Ausrichtung. Maschinenbau und Informatik sind verwandt, aber nicht identisch. Für ihre spätere Karriere war beides relevant: technisches Systemverständnis, Produktdenken und die Fähigkeit, komplexe Entwicklungen zu koordinieren.

Ihr beruflicher Weg begann nach diesen Angaben im Jahr 2011 mit einem Praktikum bei einer großen Investmentbank. 2012 folgte eine Stelle bei einem Luftfahrtkonzern. 2013 wechselte sie für drei Jahre zum Elektroautohersteller Tesla und arbeitete dort als Senior Product Manager für das Model X. Diese Station ist wichtig, weil sie Muratis Erfahrung an der Schnittstelle von Hardware, Software und Produktentwicklung zeigt. Ein Fahrzeug ist ein komplexes System, das unter realen Bedingungen funktionieren muss. Ähnlich anspruchsvoll ist die Entwicklung von KI-Produkten, die Millionen Menschen täglich nutzen.

Nach weiteren zwei Jahren als Vize-Chefin für Produkt und Technik bei einem Softwareunternehmen in San Francisco kam Murati im Juni 2018 zu OpenAI. Dort übernahm sie Führungsaufgaben, bevor sie ein halbes Jahr vor dem Start der Chat-KI zur CTO aufstieg. Ihr Weg ist damit nicht der klassische Pfad einer Forschungswissenschaftlerin, sondern der einer Produkt- und Technologiemanagerin, die unterschiedliche Disziplinen verbindet. Genau diese Mischung dürfte in einem Unternehmen hilfreich sein, das Forschung, Infrastruktur, Sicherheit und Nutzerprodukte gleichzeitig vorantreiben muss.

Verantwortung in einem extremen Wachstumsmarkt

Die Zahlen hinter ChatGPT erklären den Druck, der auf Muratis Teams lastet. Bereits nach zwei Monaten hatte die Anwendung rund 100 Millionen aktive Nutzer erreicht. Zum Vergleich: TikTok benötigte für diese Marke etwa neun Monate, Instagram rund zweieinhalb Jahre. Solche Wachstumsraten sind für Verbrauchersoftware außergewöhnlich. Sie bedeuten aber auch, dass Infrastruktur, Moderation, Fehlerbehandlung und Kommunikation mit dem Produkt Schritt halten müssen. Ein Modell, das Millionen Anfragen pro Tag verarbeitet, ist nicht nur ein Forschungsprojekt, sondern ein Betriebssystem für Kommunikation.

Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco hatte zum damaligen Zeitpunkt rund 375 Mitarbeiter und soll mit etwa 30 Milliarden Dollar bewertet worden sein. Diese Bewertung sagt viel über die Erwartungen der Märkte. Sie zeigt aber auch, wie eng der Erfolg von OpenAI mit der öffentlichen Debatte über KI verbunden ist. Als ChatGPT schnell populär wurde, löste das bei etablierten Suchmaschinenanbietern Alarm aus. Berichtet wurde von einer internen Alarmstufe, weil die Sorge wuchs, dass KI-Chatbots das Geschäft mit der Suche verändern könnten. Ein Chatbot, der Antworten direkt formuliert, tritt in Konkurrenz zu klassischen Ergebnislisten.

Für Murati bedeutet das eine Doppelrolle. Einerseits muss sie Produkte schnell verbessern und neue Funktionen ermöglichen. Andererseits muss sie erklären, warum die Technologie trotz beeindruckender Fähigkeiten begrenzt bleibt. Die Geschichte mit dem unbekannten CTO-Namen ist dafür ein gutes Beispiel. Sie zeigt, dass ein Modell nicht einfach weiß, was in der Welt passiert. Es bildet Muster aus Daten ab. Wer die Grenzen nicht kennt, kann falsche Sicherheit gewinnen. Wer sie kennt, versteht besser, warum Aktualität, Quellenprüfung und transparente Fehlerkultur wichtig sind.

Zwischen Begeisterung und Warnung

Murati selbst hat den Hype um ChatGPT nicht nur als Erfolgsgeschichte beschrieben. In einem US-Talkformat sagte sie kurz vor der Veröffentlichung, dass neue Arbeitsplätze entstehen und einige verloren gehen würden. Sie äußerte sich optimistisch, ohne die Verwerfungen zu leugnen. Diese Haltung ist typisch für die aktuelle KI-Debatte: Einerseits wird das Produktivitätspotenzial betont, andererseits werden Ängste vor Automatisierung und Kontrollverlust ernst genommen. Wer täglich mit Sprachmodellen arbeitet, sieht beides. Texte lassen sich schneller erstellen, aber sie müssen geprüft werden. Ideen lassen sich schneller skizzieren, aber die Verantwortung bleibt beim Menschen.

In einem Interview warnte sie zudem vor einer grundlegenden Schwäche der Technologie. Die Herausforderungen ähnelten denen anderer großer Sprachmodelle: Das System könne Fakten erfinden. Damit benannte sie ein Problem, das in der öffentlichen Diskussion oft als Halluzination bezeichnet wird. Ein Modell erzeugt plausibel klingende Sätze, auch wenn die zugrunde liegenden Informationen falsch oder unvollständig sind. Für Unternehmen, Schulen, Medien und Verwaltungen ist das entscheidend. Wer KI-Texte ungeprüft übernimmt, riskiert Fehler, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.

Deshalb sprach sich Murati für Beaufsichtigung und Regulierung aus. KI könne missbraucht werden oder von schlechten Akteuren eingesetzt werden. Daraus ergeben sich Fragen, die weit über ein einzelnes Produkt hinausgehen: Wie lässt sich der Einsatz dieser Technologie weltweit regeln? Wie können Regeln so gestaltet werden, dass sie mit menschlichen Werten im Einklang stehen? Diese Fragen sind schwer zu beantworten, weil KI nicht an Grenzen haltmacht. Modelle werden trainiert, veröffentlicht und weiterverbreitet. Regulierung muss deshalb sowohl Forschung als auch Produkte, Daten und den Zugang zu Rechenleistung betrachten.

Gleichzeitig bleibt Murati eine Produktverantwortliche. Sie muss nicht nur warnen, sondern auch entscheiden, was gebaut wird und unter welchen Bedingungen es erscheint. Das Spannungsfeld zwischen offener Forschung, Sicherheit und Wettbewerb ist damit Teil ihres Alltags. Der öffentliche Streit über KI wird oft mit großen Begriffen geführt: Revolution, Risiko, Kontrolle. Hinter diesen Begriffen stehen konkrete Entscheidungen über Daten, Tests, Freigaben und Kommunikation. Muratis Rolle ist es, diese Entscheidungen mitzutragen und nach außen zu erklären.

Was sie inspiriert

Auf die Frage nach ihren Inspirationen nannte Murati Musik von Radiohead, Literatur von Rilke und den Stanley-Kubrick-Film 2001: Odyssee im Weltraum aus dem Jahr 1968. Diese Antwort passt zu einer Technologin, die in Systemen denkt und zugleich ein Bewusstsein für kulturelle Bilder hat. Der Film ist ein Klassiker über künstliche Intelligenz, Kontrolle und die Grenzen menschlicher Planung. Rilkes Lyrik arbeitet mit Sprache, Verdichtung und Unsicherheit. Radiohead wiederum stehen für Musik, die technische Klänge und menschliche Verletzlichkeit verbindet.

Ob diese Einflüsse ihre Arbeit direkt prägen, lässt sich nicht belegen. Sie zeigen aber, dass die Debatte über KI nicht nur eine Frage von Code und Rechenleistung ist. Es geht auch um Erzählungen, Ängste und Bilder davon, wie Menschen mit intelligent wirkenden Maschinen zusammenleben. Murati steht in diesem Spannungsfeld an prominenter Stelle: als Ingenieurin, Managerin und öffentliche Figur eines Unternehmens, dessen Produkte die Erwartungen an künstliche Intelligenz neu geordnet haben. Dass ChatGPT ihren eigenen Werdegang zunächst nicht kannte, bleibt dabei eine kleine, aber aufschlussreiche Fußnote der KI-Geschichte.


Source: bild.de News


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