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Starker Lauf bei Marvell- und AMD-Aktien: Wer schafft es zuerst zum Billionen-Dollar-Unternehmen?

Jul 06, 2026  Twila Rosenbaum  6 views
Starker Lauf bei Marvell- und AMD-Aktien: Wer schafft es zuerst zum Billionen-Dollar-Unternehmen?

Anfang Juni sorgte NVIDIA-CEO Jensen Huang für große Aufmerksamkeit und einen Kurssprung der Marvell Technology-Aktie, als er sagte, der Infrastrukturspezialist sei auf dem Weg, das "nächste Billionen-Dollar-Unternehmen" zu werden. Diese Aussage wirft eine spannende Frage auf: Ist Marvell tatsächlich der wahrscheinlichste Kandidat für den nächsten Aufstieg in den exklusiven Kreis der Billionen-Dollar-Konzerne? Oder besitzt ein anderes Tech-Schwergewicht letztlich die realistischeren Chancen? Ein heißer Kandidat für die Aufnahme in den elitären Club wäre beispielsweise auch AMD, dessen Börsenwert mit rund 844 Milliarden US-Dollar deutlich näher an der angepeilten Schwelle liegt als der von Marvell mit nur rund 215 Milliarden US-Dollar (Stand: Schlusskurse vom 2. Juli 2026).

Die Logik hinter Huangs Aussage

Die Bemerkung von Jensen Huang kam während eines gemeinsamen Auftritts mit Marvell-CEO Matt Murphy zustande und bezog sich ausdrücklich auf Marvells strategische Bedeutung für die nächste Ausbaustufe der KI-Infrastruktur. Nach Einschätzung beider CEOs verschiebt sich der Engpass im Zeitalter riesiger KI-Rechenzentren zunehmend von der reinen Rechenleistung hin zur Datenübertragung zwischen Tausenden von Prozessoren. Genau dort ist Marvell mit Hochgeschwindigkeits-Netzwerken, optischen Verbindungen, kundenspezifischen ASICs und modernen Interconnect-Lösungen hervorragend positioniert. Konzerne wie Samsung, Micron oder SK hynix, die – ähnlich wie Marvell jetzt – von anderen, früheren Engpässen der KI-Infrastruktur profitiert hatten, sind inzwischen auch tatsächlich in den Billionen-Dollar-Club aufgestiegen.

Die Argumentation besitzt daher durchaus Charme. Während sich der Wettbewerb bei KI-Beschleunigern zunehmend verschärft, wächst der Bedarf an immer leistungsfähigeren Netzwerken und Speicheranbindungen praktisch unabhängig davon, welcher Chip letztlich rechnet. Marvell profitiert damit von einem Infrastrukturtrend, der den gesamten KI-Markt umfasst. Besonders interessant ist allerdings auch das Geschäft mit kundenspezifischen ASICs. Immer mehr Hyperscaler entwickeln eigene KI-Chips, um sich unabhängiger von Standardlösungen zu machen und gleichzeitig Kosten sowie Energieverbrauch zu senken. Marvell zählt zu den weltweit wichtigsten Entwicklungspartnern für solche maßgeschneiderten Halbleiter und profitiert damit unmittelbar von einem Trend, der sich neben klassischen GPUs etabliert.

AMD besitzt den offensichtlichen Vorteil der Größe

So überzeugend die technologische Geschichte hinter Marvell auch klingt, aus Sicht der Börsenbewertung spricht zunächst vieles für AMD. Der Chiphersteller bewegt sich bereits heute in einer Größenordnung, die deutlich näher an einer Billion US-Dollar liegt, während sich der Unternehmenswert von Marvell noch einmal fast verfünffachen müsste, um die Billionenmarke zu überschreiten. Angesichts des starken Momentums, das der Marvell-Aktie seit Jahresbeginn bereits ein Plus von rund 189 Prozent beschert hat, scheint das zwar nicht ausgeschlossen, jedoch konnte auch die AMD-Aktie in diesem Jahr bereits um kräftige 142 Prozent zulegen (Stand: Schlusskurse vom 2. Juli 2026). Der Anteilsschein von AMD müsste daher seine Rally abbrechen und mindestens stagnieren, damit Marvell eine Chance zum Überholen hätte.

AMD startet somit von einer deutlich höheren Ausgangsbasis – und besitzt zudem auch eine breitere Produktpalette. Das Unternehmen ist inzwischen in nahezu allen strategisch wichtigen Segmenten vertreten: KI-Beschleuniger, klassische Serverprozessoren, PC-Prozessoren, Gaming-Grafikkarten sowie Embedded-Lösungen. Diese Diversifikation sorgt für mehrere Wachstumstreiber gleichzeitig und reduziert zugleich die Abhängigkeit von einzelnen Produktzyklen. Und noch ein zusätzlicher Faktor könnte AMD in den kommenden Jahren Rückenwind verleihen. Mit dem Übergang von heutigen KI-Chatbots hin zu sogenannten KI-Agenten dürfte der Bedarf an klassischen Serverprozessoren deutlich steigen. AMD geht davon aus, dass sich das Verhältnis von GPUs zu CPUs in KI-Rechenzentren künftig erheblich zugunsten der CPUs verschieben dürfte, weil autonome KI-Systeme neben der eigentlichen Modellberechnung deutlich mehr Rechenleistung für Planung, Orchestrierung und Ausführung benötigen. Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, könnte AMD voraussichtlich nicht nur vom boomenden Markt für KI-Beschleuniger profitieren, sondern zusätzlich von einem stark wachsenden CPU-Geschäft.

Hinzu kommt, dass AMD in den vergangenen Jahren bewiesen hat, dass man selbst gegenüber Branchenriesen Marktanteile gewinnen kann. Die Erfolgsserie im Servergeschäft sowie der wachsende KI-Beschleuniger-Markt zeigen, dass der Konzern nicht ausschließlich auf eine einzige Zukunftswette angewiesen ist.

Marvell bietet möglicherweise das größere Kurspotenzial

Dennoch wäre es zu einfach, AMD allein aufgrund seiner Größe zum Favoriten zu erklären. Börsenbewertungen entstehen schließlich nicht nur durch aktuelle Umsätze, sondern vor allem durch Erwartungen an zukünftige Gewinne. Gerade hier besitzt Marvell einen erheblichen Hebel. Das Unternehmen prognostiziert für sein Geschäft mit maßgeschneiderten KI-Chips, die gemäß den Aussagen von CEO Murphy von "sämtlichen US-Hyperscalern" nachgefragt werden, bis zum Geschäftsjahr 2029 einen Umsatz von mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Diese Prognose impliziert einen zusätzlichen Umsatz von 5 Milliarden US-Dollar im Zeitraum vom Geschäftsjahr 2028 bis 2029, der ausschließlich aus einem einzigen Geschäftsbereich stammt, und deutet damit auf ein weiteres Jahr starken Wachstums im Geschäftsjahr 2029 hin. Gleichzeitig profitieren auch nahezu sämtliche Netzwerkprodukte von Marvell von den massiv gestiegenen Ausgaben der Hyperscaler für den explosionsartigen Ausbau ihrer Rechenzentren.

Sollte sich Huangs Einschätzung bewahrheiten und der eigentliche Engpass der KI-Infrastruktur künftig tatsächlich im Bereich Datenverkehr, optische Netzwerke und Chip-Kommunikation liegen, könnte Marvell über Jahre hinweg deutlich schneller wachsen als klassische Halbleiterunternehmen. Aus dieser Perspektive wirkt die Vision einer Billionen-Dollar-Bewertung zumindest strategisch nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass Marvell in den letzten Quartalen durchweg über den Erwartungen abgeschnitten hat. Die jüngsten Geschäftszahlen zeigten einen Umsatzsprung von über 50 Prozent im Jahresvergleich, angetrieben durch die starke Nachfrage nach kundenspezifischen KI-Chips und Netzwerklösungen. Die Analysten von Morningstar haben das Kursziel für Marvell nach oben korrigiert und verweisen auf die langfristigen Wachstumstreiber im KI-Infrastrukturbereich.

Ein weiterer Aspekt ist die Bewertung. Während AMD mit einem KGV von über 60 bereits relativ hoch bewertet ist, weist Marvell mit einem KGV von etwa 40 eine moderatere Bewertung auf, gemessen am erwarteten Gewinnwachstum. Sollte Marvell seine ambitionierten Umsatzziele erreichen, könnte das Unternehmen seinen Börsenwert in den nächsten Jahren deutlich steigern. Die Marktkapitalisierung von Marvell liegt derzeit bei rund 215 Milliarden US-Dollar, was bei einer Verfünffachung die Billionenmarke bedeuten würde. Angesichts des aktuellen Wachstumstempos erscheint dies nicht unrealistisch, insbesondere wenn der KI-Infrastrukturboom anhält.

Der Unterschied zwischen Wahrscheinlichkeit und Rendite

Für Investoren lohnt es sich, zwei Fragestellungen strikt voneinander zu trennen. Die erste lautet: Welches Unternehmen erreicht statistisch betrachtet eher eine Billion US-Dollar Marktkapitalisierung? Hier spricht vieles für AMD. Das Tech-Schwergewicht ist bereits wesentlich näher an diesem Ziel, verfügt über eine größere Umsatzbasis, höhere Skaleneffekte und mehrere etablierte Geschäftsfelder. Die zweite Frage lautet hingegen: Welches Unternehmen könnte seinen Börsenwert prozentual stärker steigern? Hier besitzt Marvell vermutlich die interessantere Ausgangslage. Kleinere Firmen können bei anhaltend hohen Wachstumsraten deutlich dynamischer bewertet werden als bereits sehr große Konzerne.

AMD könnte deshalb durchaus als erstes die Billionenmarke erreichen, während Marvell gleichzeitig das größere langfristige Kurspotenzial besitzt, sofern sich die KI-Infrastruktur wie von Jensen Huang prognostiziert entwickelt. Die Entscheidung zwischen beiden Aktien hängt letztlich von der individuellen Risikobereitschaft und dem Anlagehorizont ab. Während AMD als etablierter Chiphersteller mit breiter Aufstellung gilt, bietet Marvell eine spezialisierte Wette auf den Ausbau der KI-Infrastruktur mit potenziell höheren Renditen – aber auch höheren Risiken. Beide Unternehmen sind jedoch hervorragend positioniert, um von der fortschreitenden Digitalisierung und dem KI-Boom zu profitieren.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Billionen-Dollar-Marke für beide Unternehmen in Reichweite liegt. Mit einem aktuellen Börsenwert von 844 Milliarden US-Dollar benötigt AMD lediglich einen Kursanstieg von rund 18 Prozent, um die magische Grenze zu überschreiten. Marvell hingegen benötigt fast eine Verfünffachung, was angesichts des hohen Wachstumstempos möglich, aber unsicherer ist. Unabhängig davon, welches Unternehmen zuerst die Billionenmarke erreicht, zeigen beide Aktien das enorme Potenzial des KI-Sektors. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob sich die optimistischen Prognosen bewahrheiten und welcher Kandidat sich letztlich durchsetzen kann.


Source: finanzen.net News


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