Türkei: Grandiose Eröffnung der Hochgeschwindigkeitsbahn nach Europa
Mit einem feierlichen Akt ist am 9. Oktober 2026 der 153 Kilometer lange Abschnitt Çerkezköy–Kapıkule der Hochgeschwindigkeitsstrecke Halkalı–Kapıkule in Betrieb genommen worden. Die Strecke gilt als das Tor der Türkei zum europäischen Eisenbahnnetz. Präsident Recep Tayyip Erdoğan eröffnete das Projekt im Beisein von Verkehrs- und Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloğlu, dem Generaldirektor und Vorstandsvorsitzenden der staatlichen Eisenbahngesellschaft, Veysi Kurt, Parlamentsabgeordneten, einer Delegation der Europäischen Union sowie zahlreichen Bürgern. Nach den Reden und dem Durchtrennen des Eröffnungsbandes setzte sich Erdoğan auf den Lokführersitz und unternahm die erste Fahrt auf der neuen Strecke von Babaeski nach Lüleburgaz.
Die wichtigsten Fakten im Überblick
- Eröffnet wurde der Abschnitt Çerkezköy–Kapıkule am 9. Oktober 2026.
- Die Gesamtstrecke Halkalı–Kapıkule ist 229 Kilometer lang und besteht aus drei Abschnitten.
- Der eröffnete Abschnitt Çerkezköy–Kapıkule misst 153 Kilometer und ist damit der längste Teil des Projekts.
- Die Strecke ist für eine Auslegungs- und Betriebsgeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde gebaut.
- Sie ist doppelspurig, elektrifiziert und mit Signalsystemen ausgestattet.
- Zur Infrastruktur gehören 31 Brücken, acht Tunnel mit insgesamt 2.520 Metern Länge, zwei Viadukte, 114 Unter- und Überführungen sowie 175 Durchlässe.
- Die Fahrzeit für Passagiere zwischen Halkalı und Kapıkule sinkt von vier Stunden auf eine Stunde und 30 Minuten.
- Die Transportzeit für Güter soll von acht Stunden und 30 Minuten auf drei Stunden und 30 Minuten fallen.
- Die jährliche Passagierkapazität soll von 600.000 auf drei Millionen steigen.
- Die jährliche Frachtkapazität soll von 1,5 Millionen Tonnen auf 9,5 Millionen Tonnen wachsen.
- Im Bahnhof Kapıkule wurde die Zahl der Gleise von 23 auf 42 erhöht; die Gesamtgleislänge stieg von 15.675 Metern auf 51.000 Meter.
- Neue Bahnhofsgebäude entstanden in Babaeski, Lüleburgaz und Büyükkarıştıran; in Kapıkule und Edirne werden sie erneuert.
Ein strategisches Tor nach Europa
Die neue Schnellbahnstrecke verbindet die Türkei direkt mit dem europäischen Schienennetz. Kapıkule an der Grenze zu Bulgarien wird damit zum zentralen Übergang für Personen und Waren. Schon vor der Eröffnung galt der Grenzbahnhof als Nadelöhr, weil die Kapazitäten über Jahre nicht mit dem wachsenden Handelsvolumen Schritt hielten. Mit dem Ausbau werden die Gleisanlagen erweitert, moderne Bahnhofsgebäude errichtet und die logistische Infrastruktur auf den neuesten Stand gebracht. Die Strecke führt über Tekirdağ, Kırklareli und Edirne und bindet diese Provinzen an das Hochgeschwindigkeitsnetz an. Für die Region Thrakien bedeutet das eine tiefgreifende Veränderung: Sie rückt näher an Istanbul, an die Industriezentren in Kocaeli und Tekirdağ sowie an die europäischen Märkte.
Präsident Erdoğan bezeichnete das Projekt als eine sehr bedeutende Investition. Es handele sich um ein strategisches Vorhaben, das dem Land im Verkehrsbereich eine neue Perspektive eröffne. Die Strecke sei nicht nur eine Verbindung zwischen Städten, sondern eine Lebensader für Produktion, Export und Beschäftigung. Handel und Tourismus würden zusätzlich an Fahrt gewinnen. Besonders betonte er, dass die Eisenbahninvestitionen der vergangenen Jahre die Türkei in eine neue Liga gehoben hätten. Der Komfort des Hochgeschwindigkeitszuges sei inzwischen für weite Teile der Bevölkerung selbstverständlich geworden.
Zahlen, Daten und Streckenverlauf
Das Gesamtprojekt Halkalı–Kapıkule erstreckt sich über 229 Kilometer und ist in drei Abschnitte gegliedert. Der nun eröffnete Teil zwischen Çerkezköy und Kapıkule ist mit 153 Kilometern der längste. Die Strecke wurde für 200 Stundenkilometer ausgelegt und als doppelspurige, elektrifizierte und signalisierte Bahnlinie gebaut. Ingenieure errichteten 31 Brücken, acht Tunnel mit einer Gesamtlänge von 2.520 Metern, zwei Viadukte, 114 Unter- und Überführungen sowie 175 Durchlässe. Diese Bauwerke waren notwendig, um die teilweise hügelige Landschaft Thrakiens zu durchqueren und zugleich hohe Geschwindigkeiten zu ermöglichen. Der Ausbau umfasst nicht nur die freie Strecke, sondern auch Bahnhöfe, Werkstätten und logistische Einrichtungen. In Çerkezköy entstanden ein Personalgebäude für den Güterbahnhof und eine Lokomotivwartungswerkstatt. In Babaeski, Lüleburgaz und Büyükkarıştıran wurden neue Bahnhofsgebäude eröffnet. Die Bahnhöfe in Kapıkule und Edirne werden derzeit modernisiert.
Reisezeiten und Kapazitäten
Die Eröffnung verändert die Verkehrsströme in der Region grundlegend. Reisende zwischen Halkalı und Kapıkule benötigen künftig nur noch eine Stunde und 30 Minuten statt vier Stunden. Für den Güterverkehr sinkt die Transportzeit von acht Stunden und 30 Minuten auf drei Stunden und 30 Minuten. Die Kapazität der Bahnstrecke vervierfacht sich nahezu. Erwartet wird, dass die jährliche Passagierkapazität von 600.000 auf drei Millionen steigt. Bei den Frachtkapazitäten rechnet die Regierung mit einem Anstieg von 1,5 Millionen Tonnen auf 9,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Diese Zahlen zeigen, dass die neue Strecke nicht nur den Personenverkehr beschleunigt, sondern vor allem den Güterverkehr auf der Schiene konkurrenzfähiger macht. Angesichts steigender Transportkosten und des Ziels, Straßen zu entlasten, kommt dem Schienenausbau eine Schlüsselrolle zu.
Kapıkule als Drehscheibe
Der Grenzbahnhof Kapıkule wurde umfassend ausgebaut. Die Zahl der Gleise stieg von 23 auf 42, die Gesamtgleislänge von 15.675 Metern auf 51.000 Meter. Damit können mehr Züge gleichzeitig abgefertigt werden, was Wartezeiten reduziert und die Zuverlässigkeit erhöht. Kapıkule ist der wichtigste Eisenbahngrenzübergang der Türkei nach Europa. Über Bulgarien bestehen Verbindungen in den Balkan, nach Mittel- und Westeuropa. Die Erweiterung ist daher nicht nur ein regionales Projekt, sondern ein Baustein der internationalen Logistik. Die Regierung erwartet, dass sich der Handel mit Europa beschleunigt und dass die Türkei stärker in europäische Lieferketten eingebunden wird. Insbesondere die Industriegebiete in Istanbul, Kocaeli, Tekirdağ und Thrakien sollen von kürzeren Transportzeiten profitieren.
Mittlerer Korridor und globale Handelswege
Präsident Erdoğan ordnete die Strecke in einen größeren Zusammenhang ein. Sie stärke die europäische Anbindung des Mittleren Korridors, der über Baku, Tiflis, Kars und Marmaray bis nach Europa reicht. Das Projekt Halkalı–Kapıkule sei einer der entscheidenden Abschnitte eines 6.314 Kilometer langen Entwicklungskorridors, der auf 2.094 Kilometern durch die Türkei verlaufe. Dieser Korridor beginnt im Hafen von Faw im Irak, führt über die Türkei und soll am westlichen Ende Europa erreichen. Verkehrsinvestitionen seien damit längst nicht mehr nur Straßen, Brücken und Schienen, sondern strategische Glieder globaler Handelswege. Die neue Strecke verbinde die Produktionszentren Anatoliens mit den europäischen Märkten und beschleunige die Exportziele der Türkei. Sie sei ein logistisches Rückgrat, das die Wettbewerbsfähigkeit türkischer Unternehmen erhöhe.
Investitionen in die Schiene seit 2002
Erdoğan verwies auf die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur in den vergangenen 24 Jahren. Der heutige Wert der Verkehrsinvestitionen sei auf 355 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 317 Milliarden Euro gestiegen. Davon entfielen etwa 80 Milliarden US-Dollar oder 71 Milliarden Euro auf die Eisenbahn. Das gesamte Eisenbahnnetz der Türkei sei auf 13.919 Kilometer ausgebaut worden. Die Länge der elektrifizierten Strecken habe sich von 2.122 Kilometern auf 7.274 Kilometer erhöht, ein Anstieg um 243 Prozent. Die mit Signalsystemen ausgestatteten Strecken wuchsen von 2.505 Kilometern auf 8.419 Kilometer, ein Plus von 236 Prozent. In der Regierungszeit Erdoğans sei der Hochgeschwindigkeitszug für die Bevölkerung zu einer alltäglichen Option geworden. 51 Prozent der Bevölkerung nutzten heute Hochgeschwindigkeitszüge. Mit der Fertigstellung der Strecke Çerkezköy–Kapıkule steigt die Länge der Hochgeschwindigkeitsstrecken auf 2.604 Kilometer. Die Zahl der Provinzen mit direkter Anbindung an Hochgeschwindigkeitszüge wächst auf 14. Bis Ende 2028 soll diese Zahl auf 27 Städte steigen. Derzeit wird der Bau von insgesamt 4.858 Kilometern Eisenbahnstrecke vorangetrieben. Für 2053 ist ein Schienennetz von 28.590 Kilometern geplant.
Reden und Zeremonie
Verkehrs- und Infrastrukturminister Abdulkadir Uraloğlu nannte das Projekt ein Werk, das dem Jahrhundert der Türkei würdig sei. Es gehöre zu den bedeutendsten Eisenbahnprojekten der Geschichte der Republik und hebe die globale Logistikkraft des Landes auf eine neue Stufe. Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union sei für die Umsetzung des Abschnitts Kapıkule–Çerkezköy von großer Bedeutung gewesen. Auch die für Erweiterung zuständige EU-Kommissarin Marta Kos sprach bei der Veranstaltung. Sie teilte die Begeisterung über das Projekt und unterstrich die Bedeutung der neuen Verbindung für die europäisch-türkischen Beziehungen. Nach den Reden wurde das Eröffnungsband nach einem Gebet durchtrennt. Anschließend nahm Präsident Erdoğan auf dem Lokführersitz Platz und fuhr mit dem ersten Zug von Babaeski nach Lüleburgaz. Die Zeremonie am Bahnhof Babaeski war von großer öffentlicher Anteilnahme begleitet. Parlamentsabgeordnete, Vertreter der Europäischen Union und zahlreiche Bürger verfolgten den historischen Moment.
Bedeutung für Thrakien und die Türkei
Für Thrakien ist die neue Strecke ein Wendepunkt. Die Region war lange vor allem durch Landwirtschaft und Grenzhandel geprägt. Mit der Anbindung an das Hochgeschwindigkeitsnetz verbessern sich die Bedingungen für Industrie, Tourismus und Pendlerverkehr. Tekirdağ, Kırklareli und Edirne erhalten direkten Zugang zu einem schnellen, elektrifizierten Schienennetz. Unternehmen können ihre Waren schneller nach Europa liefern. Reisende erreichen Istanbul und andere Zentren in kürzerer Zeit. Die neue Infrastruktur dürfte auch die Ansiedlung von Logistikunternehmen und Produktionsbetrieben fördern. Die Regierung erwartet positive Effekte für Beschäftigung und regionale Wertschöpfung. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Auslastung von der Anbindung an das übrige Netz, von Zollverfahren und von der Wettbewerbsfähigkeit der Bahn gegenüber dem Lkw abhängt. Entscheidend wird sein, ob die angekündigten Kapazitätssteigerungen im Alltag tatsächlich erreicht werden.
Schienennetz bis 2053 und laufende Bauprojekte
Die Türkei verfolgt ehrgeizige Ziele im Schienenverkehr. Bis 2053 soll das Schienennetz auf 28.590 Kilometer wachsen. Der Hochgeschwindigkeitsverkehr soll von derzeit 2.251 Kilometern auf 2.604 Kilometer ausgeweitet werden. Bis Ende 2028 sollen 27 Städte direkt an Hochgeschwindigkeitszüge angebunden sein. Der Ausbau konzentriert sich nicht nur auf den Westen, sondern auf alle Landesteile. Derzeit werden 4.858 Kilometer neue Bahnstrecke gebaut. Die Strecke Halkalı–Kapıkule ist ein zentraler Baustein dieser Strategie, weil sie die Türkei mit Europa verbindet und zugleich den Mittleren Korridor stärkt. Mit der Eröffnung des Abschnitts Çerkezköy–Kapıkule ist ein weiterer Schritt getan. Die erste
Source: Lok Report News