Die Schauspielerin Emma Watson, die durch ihre Rolle als Hermine Granger in den Harry Potter-Filmen weltweit bekannt wurde, hat sich mit dem Polit-Thriller Colonia einer neuen, außergewöhnlichen Herausforderung gestellt. In einem Interview mit der Mail on Sunday sagte die 25-Jährige: „Es ist die härteste Rolle, die ich je spielen musste. Aber auch die, die mich am meisten erfüllt hat. Ich spürte, dass ich das Richtige tue.“ Der Film, der auf wahren Begebenheiten basiert, spielt im Chile des Jahres 1973 und erzählt die erschütternde Geschichte der Colonia Dignidad, einer deutschen Sekte, die unter der Führung des Predigers Paul Schäfer zu einem Ort des Grauens wurde.
Emma Watsons Wandel vom Kinderstar zur ernsthaften Schauspielerin
Emma Watsons Karriere begann im Alter von neun Jahren mit der Besetzung in Harry Potter und der Stein der Weisen (2001). Über ein Jahrzehnt lang prägte sie die Rolle der klugen, mutigen Hexe, die zusammen mit Harry Potter und Ron Weasley gegen die Mächte des Bösen kämpfte. Nach dem Ende der Filmreihe im Jahr 2011 suchte Watson bewusst nach Rollen, die ihr erlauben, sich von dem Image der „kleinen Hermine“ zu lösen. Sie wählte Projekte wie Das ist das Ende (2013), The Bling Ring (2013) und Noah (2014), die ihr vielseitiges schauspielerisches Spektrum zeigten. Doch Colonia stellt für sie eine ganz andere Dimension dar: eine physisch und emotional fordernde Rolle, die tief in die Abgründe menschlicher Grausamkeit eintaucht.
Die wahre Geschichte der Colonia Dignidad
Die Colonia Dignidad war eine deutsche Siedlung in der chilenischen Region Maule, die 1961 von dem ehemaligen Wehrmachtssoldaten und Prediger Paul Schäfer gegründet wurde. Nach außen hin präsentierte sie sich als karitative Einrichtung mit Krankenhaus, Schule und landwirtschaftlicher Selbstversorgung. In Wirklichkeit entwickelte sie sich zu einer totalitären Sekte, in der Schäfer absolute Macht ausübte. Die Mitglieder wurden durch Gehirnwäsche, Folter und sexuellen Missbrauch unterdrückt. Nach dem Militärputsch von Augusto Pinochet im Jahr 1973 stellte die Colonia Dignidad ihre Infrastruktur der Geheimpolizei DINA zur Verfügung. Oppositionelle, Regimegegner und andere Verfolgte wurden in die Kolonie verschleppt, gefoltert und oft ermordet. Schäfer selbst floh 1997 nach Argentinien, wurde aber später verhaftet und starb 2010 im chilenischen Gefängnis.
Handlung und Besetzung von Colonia
Im Film spielt Daniel Brühl den deutschen Flugbegleiter Daniel, der von Pinochets Schergen entführt wird. Seine Frau Lena, gespielt von Emma Watson, begibt sich auf eine verzweifelte Suche nach ihm. Ihre Spur führt sie zur Colonia Dignidad, wo sie sich als Ordensschwester verkleidet der Sekte anschließt. Dabei muss sie feststellen, dass hinter der frommen Fassade ein System von Gewalt, Unterdrückung und Missbrauch lauert. Der Film schildert Lenas Kampf, ihren Mann zu retten, während sie selbst in die Fänge des Sektenführers Paul Schäfer (dargestellt von Michael Nyqvist) gerät. Regisseur Florian Gallenberger, der für seinen Kurzfilm Quiero ser (2000) einen Oscar gewann, suchte bewusst nach einer Geschichte, die sowohl Spannung als auch historische Aufarbeitung bietet. Gallenberger sagte: „Es war mir wichtig, die menschliche Seite dieser Tragödie zu zeigen – den Mut, die Angst und die Hoffnung der Opfer.“
Die schauspielerische Leistung und Oscar-Gerüchte
Emma Watsons Darstellung in Colonia wurde von Branchenkennern als Durchbruch für die junge Schauspielerin gefeiert. In Interviews wird eine anonyme Quelle mit den Worten zitiert: „Emma will sich von Harry Potter distanzieren, und das ist ihre große Chance, um ernst genommen zu werden. Ihre Leistung ist großartig.“ Sogar als mögliche Oscar-Anwärterin wird sie gehandelt. Der Film feierte seine Weltpremiere im September 2015 auf dem renommierten Toronto International Film Festival und lief im Januar 2016 in den deutschen Kinos an. Neben Watson und Brühl überzeugt auch der schwedische Schauspieler Michael Nyqvist, der den freundlich wirkenden, aber brutalen Sektenführer Paul Schäfer verkörpert. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern verleiht dem Thriller eine zusätzliche emotionale Tiefe.
Historischer Kontext und politische Bedeutung
Der Militärputsch in Chile am 11. September 1973 unter der Führung von General Augusto Pinochet stürzte die demokratisch gewählte Regierung von Salvador Allende. Es folgten 17 Jahre Militärdiktatur, in denen Tausende von Menschen verschleppt, gefoltert und getötet wurden. Die Colonia Dignidad spielte in diesem System eine zentrale Rolle als Ort der Folter und als Stützpunkt der DINA. Die Aufarbeitung der Verbrechen dauert bis heute an; erst 2023 wurden neue Ermittlungen gegen ehemalige Mitglieder der Kolonie eingeleitet. Der Film Colonia trägt dazu bei, dieses dunkle Kapitel der deutsch-chilenischen Geschichte einem breiten Publikum näherzubringen. Emma Watson selbst engagiert sich seit Jahren für Menschenrechte und Geschlechtergleichstellung. Sie ist UN-Frauenbotschafterin und initiierte die Kampagne HeForShe. Diese persönliche Haltung spiegelt sich auch in ihrer Rollenwahl wider.
Weitere Hintergründe zur Produktion
Die Dreharbeiten zu Colonia fanden unter anderem in Deutschland, Luxemburg und Argentinien statt. Das Produktionsteam legte großen Wert auf historische Genauigkeit: Die Szenen innerhalb der Kolonie wurden nach Originalfotos und Berichten von Überlebenden detailgetreu nachgebaut. Die Kostüme und Requisiten spiegeln die 1970er-Jahre wider, um eine authentische Atmosphäre zu schaffen. Emma Watson lernte für ihre Rolle Spanisch und beschäftigte sich intensiv mit den Berichten von Frauen, die in der Sekte gefangen waren. Sie berichtete, dass die Dreharbeiten sie physisch und psychisch an ihre Grenzen brachten: „Es gab Tage, an denen ich mich fühlte, als wäre ich wirklich dort gefangen. Die Dunkelheit dieses Ortes war fast greifbar.“
Daniel Brühl, der ebenfalls deutsche Wurzeln hat, übernahm die Rolle des Daniel aufgrund seiner persönlichen Betroffenheit. Er hatte zuvor bereits in Filmen wie Good Bye, Lenin! (2003) und Inglourious Basterds (2009) überzeugt und sieht in Colonia einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur. „Es ist eine Geschichte, die erzählt werden muss – nicht nur für die Opfer, sondern auch als Warnung für die Zukunft“, sagte Brühl in einem Interview.
Rezeption und Kritik
Nach seiner Premiere in Toronto erhielt Colonia gemischte bis positive Kritiken. Gelobt wurden vor allem die darstellerischen Leistungen und die dichte Atmosphäre, während einige Kritiker die Dramatisierung der historischen Ereignisse als zu hollywoodhaft empfanden. Dennoch trug der Film dazu bei, das internationale Interesse an der Colonia Dignidad zu erneuern. In Deutschland wurde der Film kontrovers diskutiert, da die Bundesregierung lange Zeit die Verstrickungen der deutschen Botschaft in die Verbrechen der Sekte verschwiegen hatte. Emma Watson nutzte die Filmpremiere zudem, um auf die anhaltende Menschenrechtslage in Chile und weltweit aufmerksam zu machen.
Für Watson persönlich markierte Colonia einen Wendepunkt in ihrer Karriere. Sie bewies, dass sie nicht nur als ehemaliger Kinderstar, sondern als ernsthafte Charakterdarstellerin bestehen kann. In den folgenden Jahren übernahm sie weitere anspruchsvolle Rollen, etwa in Die Schöne und das Biest (2017) und Little Women (2019). Doch der Polit-Thriller von Florian Gallenberger bleibt ein besonderes Kapitel in ihrer Filmografie, denn er vereint ihr schauspielerisches Können mit ihrem persönlichen Engagement für Gerechtigkeit.
Source: Abendzeitung Muenchen News