Vor rund 32 Jahren hätte Tom Cruise in einem der größten Kultfilme aller Zeiten die Hauptrolle spielen können. Der 63-jährige Schauspieler war einst für die Rolle des Andy Dufresne in der Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“ im Gespräch. Besonderer Anreiz für ihn war die Aussicht, erneut mit Regisseur Rob Reiner zusammenzuarbeiten, mit dem er zuvor bereits „Eine Frage der Ehre“ gedreht hatte. Nach einer Testlesung des Drehbuchs entschied sich Tom jedoch dazu, das Projekt zu verlassen.
Drehbuchautor Frank Darabont, damals noch ohne Spielfilmerfahrung, brachte Toms Plan ins Wanken. Er wollte sein eigenes Skript nicht aus der Hand geben und bestand darauf, selbst Regie zu führen – obwohl er bis dahin noch keinen Spielfilm inszeniert hatte. Frank erinnerte sich später: „Ich glaube, er war ein bisschen nervös, mit einem Regisseur zu arbeiten, der zum ersten Mal einen Film dreht. Ich mache ihm keinen Vorwurf.“ Außerdem habe der Filmemacher rückblickend das Gefühl gehabt, Tom, der bald in „Top Gun 3“ zu sehen ist, sei „zu groß für den Film“. Doch nicht nur er winkte ab: Auch Kevin Costner und Tom Hanks sagten die Rolle von Andy Dufresne schließlich ab, bevor sie an Tim Robbins ging und „Die Verurteilten“ zum Kultklassiker wurde.
Die Hintergründe der Besetzungsgeschichte
Die Verfilmung von Stephen Kings Kurzgeschichte „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“ begann Mitte der 1990er Jahre. Frank Darabont, der das Drehbuch schrieb, hatte eine klare Vision. Er wollte die Geschichte so authentisch wie möglich auf die Leinwand bringen und dafür auch die Regie übernehmen. Obwohl er zuvor nur Kurzfilme gedreht hatte, war er überzeugt von seinem Können. Tom Cruise, der zu dieser Zeit bereits ein großer Star war, zeigte zunächst Interesse. Er hatte mit Rob Reiner, der ursprünglich Regie führen sollte, bereits erfolgreich zusammengearbeitet. Die Aussicht auf eine weitere Zusammenarbeit mit Reiner war verlockend. Doch als Darabont darauf bestand, selbst Regie zu führen, zog sich Cruise zurück. Dies war ein Risiko, das der Star nicht eingehen wollte.
Darabont erklärte später, dass Cruise möglicherweise Bedenken hatte, mit einem unerfahrenen Regisseur zu arbeiten. In der Filmbranche ist es nicht ungewöhnlich, dass Schauspieler auf erfahrene Regisseure setzen, um ihre Karriere zu schützen. Cruise, der für seine sorgfältige Auswahl von Projekten bekannt ist, entschied sich daher gegen die Rolle. Dies erwies sich im Nachhinein als glückliche Fügung, denn Tim Robbins, der die Rolle schließlich übernahm, lieferte eine ikonische Leistung ab.
Auch andere Schauspieler hatten die Chance, Andy Dufresne zu spielen. Kevin Costner, der damals auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, lehnte ab, um stattdessen in „Waterworld“ zu spielen – ein Film, der kommerziell enttäuschte. Tom Hanks, der ebenfalls angefragt wurde, hatte andere Verpflichtungen oder fühlte sich nicht berufen. Letztendlich erwies sich Tim Robbins als perfekte Besetzung. Seine zurückhaltende, aber kraftvolle Darstellung des unschuldig verurteilten Bankers machte den Film unvergesslich.
Brad Pitt und die Nebenrolle
Nicht nur die Hauptrolle war heiß umkämpft. Auch für die Nebenrolle des Häftlings Tommy Williams, eine kleine, aber entscheidende Figur, gab es prominente Kandidaten. Brad Pitt, der kurz zuvor mit „Thelma & Louise“ seinen Durchbruch gefeiert hatte, war im Gespräch. Doch er entschied sich für ein anderes Projekt – den Film „Interview mit einem Vampir“. Dort stand er dann doch noch gemeinsam mit Tom Cruise vor der Kamera, wenn auch in einer völlig anderen Geschichte fernab von Gefängnismauern. Diese Entscheidung öffnete den Weg für andere Schauspieler, die die Rolle letztendlich übernahmen.
Tommys Rolle ist im Film ein Wendepunkt: Er liefert Beweise für Andys Unschuld, wird aber kurz darauf von Gefängnisdirektor Norton ermordet. Diese Rolle hätte Brad Pitts Karriere eine andere Richtung geben können, aber er wählte einen anderen Pfad. Stattdessen spielte er in „Interview mit einem Vampir“ einen Vampir, was seine Vielseitigkeit unter Beweis stellte. Die Tatsache, dass so viele große Stars die Rollen in „Die Verurteilten“ ablehnten, zeigt, wie schwierig es war, die Besetzung zusammenzustellen. Letztlich führte dies zu einer perfekten Kombination von Schauspielern, die den Film zu dem machten, was er heute ist.
Der Einfluss auf Tom Cruises Karriere
Tom Cruise bereute seine Entscheidung vermutlich nie. Seine Karriere entwickelte sich trotzdem prächtig. Nach dem Ausstieg aus „Die Verurteilten“ drehte er erfolgreiche Filme wie „Mission: Impossible“ und „Jerry Maguire“. Er blieb einer der bestbezahlten Schauspieler Hollywoods. Doch es ist interessant zu spekulieren, wie seine Karriere ausgesehen hätte, wenn er Andy Dufresne gespielt hätte. Der Film „Die Verurteilten“ wurde zu einem der beliebtesten Filme aller Zeiten und wird oft als Meisterwerk bezeichnet. Cruise hingegen ist vor allem für Actionfilme bekannt. Vielleicht hätte diese Rolle seine Filmografie bereichert und gezeigt, dass er auch tiefgründigere Dramen spielen kann. Andererseits ist es wahrscheinlich, dass er mit seiner Rolle in „Mission: Impossible“ ein eigenes Franchise geschaffen hat, das weltweit Milliarden einspielte.
Frank Darabonts Regiedebüt war trotz allem ein voller Erfolg. Er bewies, dass man auch ohne große Erfahrung einen Klassiker schaffen kann. Seine Zusammenarbeit mit Tim Robbins und Morgan Freeman, der die Rolle des Red Ellis spielte, war perfekt. Der Film erhielt sieben Oscar-Nominierungen, darunter für den besten Film. Obwohl er keinen der Preise gewann, ist er bis heute ein Publikumsliebling und steht auf Platz 1 der IMDb Top 250 Filme aller Zeiten.
Die Geschichte der Besetzung von „Die Verurteilten“ ist ein faszinierendes Kapitel der Filmgeschichte. Sie zeigt, wie Zufälle und Entscheidungen das Schicksal eines Films bestimmen können. Tom Cruise, Kevin Costner, Tom Hanks und Brad Pitt hätten alle Teil dieses Meisterwerks sein können, aber am Ende erwiesen sich diejenigen, die tatsächlich mitspielten, als das perfekte Ensemble. Fans können nur darüber spekulieren, wie die Welt ausgesehen hätte, wenn einer dieser Stars die Rolle übernommen hätte.
In der Retrospektive bleibt „Die Verurteilten“ ein Film, der durch seine Besetzung und Erzählkunst besticht. Die Mischung aus Hoffnung, Freundschaft und menschlichem Leid machte ihn zu einem zeitlosen Werk. Dass Tom Cruise und andere Stars die Chance verpassten, darin mitzuwirken, ist eine Ironie der Geschichte. Aber genau diese Entscheidungen machten den Weg frei für die unvergesslichen Leistungen von Tim Robbins und Morgan Freeman. Bis heute gilt der Film als einer der besten, die je gedreht wurden.
Source: Promiflash.de News