Sheryl Sandberg gehört zu den prägendsten Figuren der digitalen Wirtschaft. Als ehemalige Chief Operating Officer von Facebook hat sie maßgeblich dazu beigetragen, das Unternehmen zu einem der wertvollsten der Welt zu machen. Doch ihr Weg an die Spitze war von harter Arbeit, Rückschlägen und einem unerschütterlichen Einsatz für Gleichberechtigung geprägt.
Von Anfang an ein Überflieger
Sheryl Kara Sandberg wurde am 28. August 1969 in Washington D.C. geboren. Ihre Eltern legten großen Wert auf Bildung: Der Vater war Augenarzt, die Mutter unterrichtete Französisch am College. Zusammen mit ihren zwei jüngeren Geschwistern wuchs Sandberg in einem akademischen Umfeld auf, das ihre spätere Karriere stark beeinflusste.
Schon auf der Highschool zeigte sich ihr außergewöhnliches Talent. Sie war nicht nur Jahrgangssprecherin, sondern schloss auch als Klassenbeste ab. Ihr Ehrgeiz und ihre Führungsqualitäten waren früh erkennbar. Nach dem Abitur begann sie 1987 ein Studium an der renommierten Harvard University. Dort machte sie 1991 ihren Bachelor in Wirtschaftswissenschaften – natürlich wieder als Beste ihres Jahrgangs. Doch damit nicht genug: Kurz darauf setzte sie an der Harvard Business School einen Master drauf.
Bereits während des Studiums gründete sie ihre erste gemeinnützige Organisation, die sich für die Rechte von Frauen in der Wirtschaft einsetzte. Dieses Engagement sollte sich wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen. Nach dem Masterabschluss arbeitete sie zunächst als Managementberaterin bei McKinsey, bevor sie eine politische Karriere einschlug.
Der Weg zu Google und Facebook
1996 wechselte Sandberg als Stabschefin ins US-Finanzministerium unter Larry Summers. Diese Erfahrung prägte ihr Verständnis von Wirtschaft und Politik. Als die Republikaner 2000 die Macht übernahmen, kündigte sie jedoch – sie wollte nicht in einer Regierung bleiben, deren Ideale sie nicht teilte. Stattdessen zog es sie in die aufstrebende Tech-Branche.
2001 begann sie bei Google als Vizepräsidentin des globalen Online-Verkaufs. In den folgenden Jahren baute sie das Werbegeschäft des Suchmaschinenriesen massiv aus. Sie war unter anderem für die Einführung von Google AdWords und AdSense verantwortlich, die bis heute Milliardenumsätze generieren. Diese Erfolge machten sie zu einer der gefragtesten Managerinnen der Branche.
2008 traf sie auf einer Weihnachtsfeier Mark Zuckerberg. Die beiden verstanden sich sofort – und nur wenige Wochen später heuerte Zuckerberg sie als COO von Facebook an. Damals war das soziale Netzwerk noch ein Start-up ohne nennenswerte Einnahmen. Sandberg änderte das grundlegend: Sie setzte auf gezielte Werbeanzeigen, baute das Verkaufsteam auf und machte Facebook zu einem profitablen Unternehmen. 2012 wurde sie die erste Frau im Vorstand von Facebook.
Unter ihrer Leitung wuchs der Umsatz von rund 300 Millionen Dollar im Jahr 2008 auf über 50 Milliarden Dollar im Jahr 2020. Sandberg galt als die Architektin des Geschäftsmodells von Facebook. Ihr Einfluss reichte weit über das Unternehmen hinaus: Sie wurde zu einer der mächtigsten Frauen der Weltwirtschaft und landete mehrfach auf der Forbes-Liste der einflussreichsten Geschäftsfrauen.
Einsatz für Frauenrechte
Parallel zu ihrer Karriere engagierte sich Sandberg unermüdlich für die Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt. 2013 veröffentlichte sie ihr Buch „Lean In: Women, Work, and the Will to Lead“. Darin analysierte sie die Hindernisse, die Frauen davon abhalten, Führungspositionen zu erreichen, und gab praktische Ratschläge, wie man diese überwinden kann. Das Buch wurde ein internationaler Bestseller und löste eine weltweite Diskussion über Feminismus und Karriere aus.
Mit den Einnahmen aus dem Buch gründete sie die Lean In Foundation, die Frauen durch Stipendien, Mentoring und Netzwerke unterstützt. Zudem sponserte sie die Kampagne „Ban Bossy“, die sich gegen die abwertende Bezeichnung durchsetzungsstarker Frauen richtete. Prominente wie Beyoncé, Jennifer Garner und Condoleezza Rice beteiligten sich an der Aktion.
Sandberg ermutigte Frauen, sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen einschränken zu lassen. Sie sprach offen über die Herausforderungen, Beruf und Familie zu vereinbaren – und über die Schuldgefühle, die viele Mütter plagen. Ihr zweites Buch „Option B“ (gemeinsam mit dem Psychologen Adam Grant) befasste sich mit Resilienz und der Bewältigung von Schicksalsschlägen.
Privates Glück und Schicksalsschläge
Sheryl Sandberg war zweimal verheiratet, bevor sie 2004 Dave Goldberg heiratete, den CEO von SurveyMonkey. Das Paar lebte mit seinen zwei Kindern in Kalifornien und galt als Traumpaar des Silicon Valleys. Doch 2015 ereignete sich eine Tragödie: Während eines gemeinsamen Urlaubs in Mexiko starb Goldberg nach einem Sturz von einem Laufband an einem Kopftrauma. Sandberg war am Boden zerstört.
Sie verarbeitete ihre Trauer in einem bewegenden Facebook-Post, der millionenfach geteilt wurde. In den folgenden Jahren setzte sie sich offen mit dem Thema Trauer auseinander. Gemeinsam mit Adam Grant schrieb sie „Option B“, um anderen Menschen zu helfen, schwere Zeiten zu überstehen. Sie betonte, dass Resilienz nicht angeboren sei, sondern trainiert werden könne.
Nach drei Jahren Beziehung mit dem Activision-Blizzard-CEO Bobby Kotick trennte sie sich und ist heute mit dem Marketingfachmann und Ex-NBC-Produzenten Tom Bernthal verlobt, den sie seit 2020 heiraten wird. Trotz aller Schicksalsschläge bleibt sie eine unerschütterliche Optimistin und Kämpferin für eine gerechtere Welt.
Sandbergs Vermögen wird auf etwa 1,8 Milliarden Dollar geschätzt. Sie sitzt weiterhin im Aufsichtsrat von Disney und ist als Philanthropin aktiv. Ihr Vermächtnis reicht weit über ihre beruflichen Erfolge hinaus: Sie hat Millionen von Frauen dazu inspiriert, ihre Karriere selbstbewusst zu gestalten und für ihre Überzeugungen einzustehen.
Source: gala.de News