Ein neues Zeitalter auf britischen Banknoten
Fünf, zehn, 20 und 50 Pfund Sterling: Die Bank of England führt neue Banknoten mit einem Porträt von König Charles III. ein. Seit diesem Mittwoch sind die Scheine erhältlich. Sie sollen nach und nach die bislang genutzten ersetzen, auf denen Charles’ Mutter Elizabeth II. abgebildet ist. Es geht also um mehr als nur Geld: Die neuen Noten sind ein Zeichen, dass der Wechsel auf dem Thron auch im Alltag der Briten ankommt.
Die Einführung der neuen Scheine markiert einen historischen Moment. Es ist das erste Mal seit 1960, dass ein neuer Monarch auf britischen Banknoten erscheint. Elizabeth II. war der erste Royal, der überhaupt auf einer Banknote abgebildet wurde. Zuvor waren Münzen das einzige offizielle Zahlungsmittel, das das Konterfei des Herrschers trug.
Was genau zeigen die neuen Geldscheine?
Sollte Ihnen Charles auf den Noten ein klein wenig jünger vorkommen als auf aktuellen Fotos, dann müssen Sie sich nicht wundern: Basis für das Porträt war ein Foto aus dem Jahr 2013, wie britische Medien berichten. Zu sehen ist Charles auf der Vorderseite der Noten, auf der Rückseite sind andere berühmte Briten abgebildet – Winston Churchill (fünf Pfund), Schriftstellerin Jane Austen (zehn Pfund), Maler und Zeichner William Turner (20 Pfund) sowie Computerpionier Alan Turing (50 Pfund).
Das Porträt von Charles zeigt ihn ohne Krone, im Gegensatz zu seiner Mutter. Die Queen trug auf ihren Banknoten die Königskrone, während Charles in schlichter Kleidung dargestellt wird. Dies folgt einem moderneren Verständnis des Königsamts und wurde vom König selbst so gewünscht. Die Bank of England betonte, dass das Design in enger Abstimmung mit dem Buckingham Palace entstanden sei.
Ein weiteres Detail fällt auf: Während die Queen auf den Geldscheinen aus der Perspektive des Beobachters von rechts nach links blickt, zeigen Charles’ Augen eine Idee nach rechts. Das ist kein Zufall. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es die Tradition, dass aufeinanderfolgende Monarchen auf Münzen in die jeweils abwechselnde Richtung blicken. Diese Tradition wird nun auch auf Banknoten übertragen. Auf den Münzen, die bereits seit Dezember 2022 mit Charles’ Porträt im Umlauf sind, schaut er nach links – während seine Mutter auf Münzen nach rechts blickte.
Die Sicherheitsmerkmale der neuen Noten bleiben weitgehend unverändert. Die Bank of England hat darauf geachtet, dass die Scheine in den bestehenden Geldautomaten und Sortiermaschinen verarbeitet werden können. Das Porträt von Charles ist in ein ovales Fenster eingebettet, das sich bei Kippbewegungen farblich verändert. Auch das holografische Band mit dem Bildnis des Monarchen ist auf allen Stückelungen vorhanden.
Was passiert mit den Banknoten, die die Queen zeigen?
Die Bank of England gibt sich größte Mühe, den Wechsel der Geldscheine in zurückhaltenden und bescheidenen Tönen zu moderieren. Neue Banknoten würden nur gedruckt, um die abgenutzten zu ersetzen und die insgesamt steigende Nachfrage zu decken. „Unser Ansatz steht im Einklang mit den Richtlinien des königlichen Haushalts, um die ökologischen und finanziellen Auswirkungen dieser Änderung zu minimieren“, teilte die Behörde mit. Dementsprechend ist die ausgegebene Geldmenge zunächst limitiert.
Britische Medien gehen davon aus, dass die Charles-Geldscheine lange Zeit ein rares Gut bleiben werden. Bis sie die Mehrheit der Banknoten in dem Land stellen, könnten Jahre vergehen. Die Bank of England hat angekündigt, dass die alten Banknoten mit dem Konterfei Elizabeths II. noch lange Zeit als offizielles Zahlungsmittel gültig bleiben. Es gibt keine Frist für den Umtausch, anders als bei früheren Währungsreformen. Die alten Scheine werden parallel zu den neuen zirkulieren, bis sie durch Verschleiß aus dem Verkehr gezogen werden.
Experten schätzen, dass es zwei bis drei Jahre dauern könnte, bis die Mehrheit der im Umlauf befindlichen Banknoten das neue Design trägt. Die Bank of England druckt jährlich etwa 450 Millionen Banknoten, um die Nachfrage zu decken. Die Hälfte der neuen Scheine wird dabei das Charles-Porträt tragen, die andere Hälfte weiterhin das der Queen, bis die Bestände aufgebraucht sind.
Warum ist Charles erst als zweiter Royal überhaupt auf Scheinen abgebildet?
Zwar hat es im Vereinigten Königreich seit Jahrhunderten Tradition, dass das Konterfei des Regenten auf Münzen abgebildet wird – für Scheine gilt das aber nicht. Erstmals wurde 1960 ein Monarch auf einer Banknote gezeigt, in diesem Fall eine Monarchin: Das Bild, das Elizabeth II. auf der Ein-Pfund-Note abbildet, ab 1961 auch auf der Zehn-Pfund-Note, war übrigens umstritten, wie bei der Bank of England nachzulesen ist: Zu formal und lebensfremd sei die Darstellung, bemängelten Kritiker. Es wurde moniert, die Queen schaue auf der Abbildung sehr kalt drein.
Deutlich besser aufgenommen wurden die Fünf- und Zehn-Pfund-Scheine, die 1963 und 1964 in Umlauf kamen. Von diesen schaut die Queen vielleicht ein wenig gelangweilt, aber alles in allem freundlich. Das Design von 1960 war von dem Künstler Robert Austin gestaltet worden, der sich an einem offiziellen Porträt der Queen orientierte. Die Kritik führte dazu, dass die Bank of England für die nächsten Serien einen jungen Künstler beauftragte, der eine lebendigere Darstellung schuf.
Die Tatsache, dass Charles erst der zweite Monarch auf Banknoten ist, hat auch einen praktischen Grund: Banknoten sind als Massenprodukt erst seit dem 19. Jahrhundert weit verbreitet. Die ersten Banknoten der Bank of England zeigten keine Herrscherporträts, sondern allegorische Figuren und Wertangaben. Erst mit der Einführung moderner Drucktechniken wurde es möglich, detaillierte Porträts auf den Scheinen zu reproduzieren.
Wo bekommt man die neuen Noten?
Im Moment ist die Ausgabe noch streng begrenzt: Maximal 300 Pfund können Menschen im Vereinigten Königreich derzeit umtauschen. Die Bank of England hat dazu eigens einen postalischen Umtauschservice eingerichtet. Falls Sie sich jetzt auf den Weg zum nächsten Briefkasten machen, um ein paar Pfund Sterling aus dem Urlaub umzutauschen – vergessen Sie es: Ohne Adresse in Großbritannien läuft da nichts.
Daneben gibt es auch 13 Postfilialen, in denen der Umtausch derzeit möglich ist. Diese sind anscheinend sorgsam ausgewählt. So befindet sich etwa eine Ausgabestelle in Poundbury, das einst nach den Ideen des Hobbyarchitekten Charles gebaut wurde. Auch die Ortschaften Minchinhampton oder das beschauliche Tetbury können Sie gern für einen Umtausch aufsuchen. Klar, London, Birmingham oder Manchester gehen natürlich auch.
Die Auswahl der Postfilialen hat einen symbolischen Charakter. Poundbury ist eine Modellstadt in Dorset, die seit den 1990er Jahren nach den städtebaulichen Vorstellungen von Charles errichtet wurde. Tetbury liegt in der Nähe von Highgrove House, dem Landsitz des Königs. Minchinhampton ist eine kleine Marktstadt in den Cotswolds, die für ihre traditionelle Architektur bekannt ist. Die Bank of England wollte mit der Auswahl dieser Orte offenbar die Nähe des Königs zu ländlichen Gemeinden betonen.
Für Sammler gibt es zudem die Möglichkeit, die neuen Banknoten in speziellen Präsentmappen zu erwerben. Diese werden von der Bank of England in Zusammenarbeit mit der Königlichen Münzstätte herausgegeben und enthalten eine Banknote mit einer besonderen Seriennummer. Die Nachfrage nach diesen Sammlerstücken ist enorm – eine Fünf-Pfund-Note mit der Seriennummer 00001 wurde Berichten zufolge für mehrere tausend Pfund bei einer Auktion versteigert.
Was sagt eigentlich König Charles dazu?
Bei der Vorstellung der neuen Banknotenserie im April war der Monarch dabei – keine Selbstverständlichkeit angesichts seiner Krebstherapie. Viel ist von dem Auftritt nicht überliefert, allerdings ist auf Videos klar zu hören, wie Charles die Kollektion als „sehr elegant“ lobt. Bei dem Termin bekam er den Schein mit der Seriennummer 00001 überreicht – ob er ihn noch hat, ist nicht überliefert.
Der königliche Besuch in der Druckerei der Bank of England war ein wichtiges Signal. Die Öffentlichkeit konnte sehen, dass der König trotz seiner gesundheitlichen Herausforderungen seinen Pflichten nachkommt. Der Buckingham Palace hatte zuvor mitgeteilt, dass Charles weiterhin regelmäßig an staatstragenden Terminen teilnehmen werde, auch wenn einige Verpflichtungen reduziert würden.
Die neuen Banknoten sind nicht die erste Amtshandlung, die Charles als König begleitet hat. Bereits 2022, kurz nach dem Tod seiner Mutter, wurden Münzen mit seinem Porträt ausgegeben. Die Bank of England hatte sich auf beide Szenarien vorbereitet – sowohl auf eine lange Regentschaft Elizabeths als auch auf einen frühen Thronwechsel. Als die Queen am 8. September 2022 starb, wurden die Pläne für die neuen Banknoten innerhalb weniger Wochen umgesetzt.
Die Einführung der neuen Scheine fällt in eine Zeit, in der die Kontroverse um die Zukunft des Bargelds in Großbritannien lebhaft diskutiert wird. Die Nutzung von Münzen und Scheinen ist in den letzten Jahren zurückgegangen, aber immer noch zahlen viele Menschen, insbesondere ältere und sozial schwächere, bevorzugt bar. Die Bank of England hat zugesichert, dass Bargeld auch in Zukunft ein wichtiges Zahlungsmittel bleiben wird. Die neuen Banknoten sind Teil dieser Zusage.
Die Geschichte der britischen Banknoten ist reich an Anekdoten. So wurde die Ein-Pfund-Note, die 1960 mit dem Porträt der Queen erschien, bereits 1988 durch die Ein-Pfund-Münze ersetzt. Die Zehn-Pfund-Note, die zunächst das Bild von Charles Dickens und später von Jane Austen trug, wurde mehrfach neu gestaltet. Die Fünf-Pfund-Note zeigte nacheinander den Duke of Wellington, George Stephenson und Elizabeth Fry, bevor sie 2016 mit Winston Churchill neu aufgelegt wurde.
Die heutigen Banknoten der Bank of England bestehen aus Polymer, einem dünnen, flexiblen Kunststoff, der langlebiger und schwerer zu fälschen ist als Papier. Die Fünf-Pfund-Note wurde 2016 auf Polymer umgestellt, gefolgt von der Zehn-Pfund-Note 2017 und der 20-Pfund-Note 2020. Die 50-Pfund-Note folgte 2021. Die neuen Charles-Banknoten nutzen die gleiche Technologie und sind damit kompatibel mit allen bestehenden Geldautomaten.
Die Reaktionen auf die neuen Banknoten sind überwiegend positiv. Viele Briten sehen in ihnen ein Symbol für den Fortbestand der Monarchie und die Kontinuität des Staates. Kritiker bemängeln hingegen, dass die Darstellung von Charles auf den Scheinen zu unpersönlich sei. Die Bank of England verteidigte die Gestaltung und wies darauf hin, dass das Porträt auf einem offiziellen Foto aus dem Jahr 2013 basiert, das Charles in seiner Uniform als Admiral der Flotte zeigt – ein Anzug, der Autorität und Würde ausstrahlt.
Die Ausgabe der neuen Banknoten ist auch im Ausland auf Interesse gestoßen. Der britische Pfund ist eine der wichtigsten Reservewährungen der Welt, und viele Menschen in anderen Ländern halten Pfund-Noten als Anlage oder für Reisen. Die Bank of England hat angekündigt, dass die alten Banknoten mit Elizabeths Porträt auch nach der vollständigen Einführung der neuen Scheine weiterhin in Großbritannien als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptiert werden können. Eine Frist für den Umtausch existiert nicht, sodass auch ältere Scheine aus dem Ausland ohne Probleme eingelöst werden können.
Die Verfügbarkeit der neuen Banknoten in den Geldautomaten wird schrittweise erhöht. Zunächst sind sie nur in ausgewählten Postfilialen und bei der Bank of England erhältlich. In den kommenden Wochen sollen auch die Banken und Sparkassen mit den neuen Scheinen beliefert werden. Die Bank of England rechnet damit, dass die vollständige Umstellung des Bargeldumlaufs auf die Charles-Noten etwa zwei Jahre dauern wird. Bis dahin werden die Porträts von Elizabeth II. und Charles III. nebeneinander im Umlauf sein – ein sichtbares Zeichen für den Wandel.
Source: Spiegel News