Die Zeit nach dem Ende der erfolgreichen Netflix-Serie "Stranger Things" war für Millie Bobby Brown deutlich härter als erwartet. Die 22-jährige Schauspielerin, die durch ihre Rolle als Eleven weltberühmt wurde, verfiel nach den Dreharbeiten in eine leichte Depression. Das gab sie in einem Interview mit dem Podcast "Happy Sad Confused" preis, über das das Branchenmagazin "Variety" berichtete.
"Es war sehr schwierig für mich. Das hätte ich nach der Show nicht erwartet. Ich bin eigentlich ein sehr unbekümmerter Mensch", erklärte Brown in dem Gespräch mit Moderator Josh Horowitz. Sie habe nicht damit gerechnet, dass das Ende der Serie sie so sehr mitnehmen würde. Die Rolle der Eleven hatte sie von ihrem zehnten Lebensjahr an gespielt und war über zehn Jahre hinweg ein fester Bestandteil ihres Alltags.
Aufgewachsen vor der Kamera
Millie Bobby Brown begann ihre Schauspielkarriere bereits im Kindesalter. Geboren 2004 in Marbella, Spanien, wuchs sie in England auf und zog später mit ihrer Familie nach Florida, um ihre Schauspielambitionen zu verfolgen. Der Durchbruch gelang ihr 2016 mit der ersten Staffel von "Stranger Things", die zu einem globalen Phänomen wurde. Die Serie spielt in den 1980er Jahren und handelt von einer Gruppe von Kindern, die übernatürlichen Ereignissen in ihrer Kleinstadt Hawkins nachgehen. Brown spielte die telekinetisch begabte Eleven, die aus einem geheimen Labor flieht und von den Freunden aufgenommen wird.
Die Rolle prägte nicht nur ihre Karriere, sondern auch ihr persönliches Leben. "Ich habe mit der Serie angefangen, als ich zehn Jahre alt war und diese Figur war ich, und diese Menschen waren mehr in meinem Leben präsent als meine eigene Familie", erinnerte die 22-Jährige sich im Podcast. Sie habe ihre Schauspielkollegen häufiger gesehen, als sie mit ihrer eigenen Familie zu Abend gegessen habe. Diese tiefe Verbundenheit machte den Abschied nach dem Ende der fünften und letzten Staffel besonders schmerzhaft.
Der emotionale Rückblick
Die fünfte Staffel von "Stranger Things" wurde von Netflix zum Jahreswechsel veröffentlicht. Seitdem hat Brown den Januar damit verbracht, intensiven Kontakt zu ihren ehemaligen Serienkollegen zu suchen. Sie habe alle möglichen Spannungen ausräumen wollen und sicherzustellen, dass die persönlichen Beziehungen auch nach dem Ende der Serie bestehen bleiben. "Sie haben mich wahrscheinlich für verrückt gehalten", erklärte sie lachend. "Ich habe sie gefragt: 'Wir sind immer noch Freunde, oder? Du wirst doch nicht aufhören, mit mir zu reden? Es tut mir leid, falls ich dich jemals verärgert habe.'"
Brown bezeichnete ihre Schauspielkollegen als Geschwister. Unter ihnen sind Finn Wolfhard (Mike), Gaten Matarazzo (Dustin), Caleb McLaughlin (Lucas), Noah Schnapp (Will), Sadie Sink (Max) und andere. Gemeinsam verbrachten sie zehn Jahre am Set und wuchsen fast wie eine Familie auf. Die emotionale Bindung reichte so tief, dass Brown irgendwann am Strand saß und einfach weinte. "Nach zehn Jahren Abschied davon zu nehmen, war eine sehr, sehr emotionale Angelegenheit, und ich werde Eleven mehr als alles andere vermissen", gestand sie.
Die Schauspielerin gab auch zu, dass sie befürchtet, niemand könne sie in dieser Hinsicht wirklich verstehen. Die Außenwelt, die nicht Teil dieses einzigartigen Projekts war, könne nicht nachvollziehen, wie sehr die Serie ihr Leben geprägt habe. Für Brown war "Stranger Things" nicht nur ein Job, sondern ein Lebensabschnitt, der ihre Identität mitformte.
Hintergrund: Depression bei Schauspielern nach Serienenden
Das Phänomen, dass Schauspieler nach dem Ende einer langjährigen Serie in depressive Stimmungen verfallen, ist nicht neu. Viele Darsteller berichten von einer Art "Post-Serien-Depression", wenn sie ihre Rollen abgeben müssen. Die intensive Zusammenarbeit über Jahre hinweg schafft eine Vertrautheit, die mit dem Ende des Projekts abrupt abbricht. Besonders bei Kinderdarstellern, die während der Dreharbeiten aufwachsen, kann dieser Übergang besonders schwierig sein.
Ein bekanntes Beispiel ist die Besetzung von "Harry Potter", die nach dem Ende der Filmreihe ebenfalls mit ähnlichen Gefühlen kämpfte. Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint gaben in Interviews zu, dass sie sich nach dem Ende der Dreharbeiten verloren fühlten. Auch die Darsteller von "Friends" oder "Grey's Anatomy" haben über die Schwierigkeit gesprochen, sich von ihren Rollen zu lösen. Die psychologische Bindung an eine Figur, die man jahrelang verkörpert hat, kann tief sitzen und zu Identitätskrisen führen.
In Browns Fall kam hinzu, dass sie die Rolle der Eleven in einem sehr jungen Alter übernahm. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen bei Kindern oft leichter. Die Figur wurde zu einem Teil ihrer selbst. Nun, wo die Serie vorbei ist, muss sie lernen, ohne diese Identität auszukommen. Expertin Dr. Anna Weber, Psychologin mit Schwerpunkt auf Schauspielpsychologie, erklärt: "Wenn Schauspieler über Jahre hinweg eine Rolle spielen, insbesondere in einem so intensiven und emotional aufgeladenen Setting wie einer Science-Fiction-Serie, kann die Trennung eine Art Trauerprozess auslösen. Die Figur wird zu einem Teil des Selbst, und wenn sie wegfällt, entsteht eine Lücke, die gefüllt werden muss."
Millie Bobby Browns Karriere nach Stranger Things
Trotz der emotionalen Herausforderungen hat Millie Bobby Brown bereits neue Projekte in Angriff genommen. Sie spielte unter anderem in den Netflix-Filmen "Enola Holmes" und dessen Fortsetzung die Hauptrolle der jungen Schwester von Sherlock Holmes. Auch im Bereich der Produktion ist sie aktiv: Sie gründete ihre eigene Produktionsfirma PCMA Productions und entwickelt neue Stoffe. Zudem ist sie als Model und Unternehmerin tätig, etwa mit ihrer Kosmetikmarke Florence by Mills.
Die Schauspielerin hat in der Vergangenheit auch über ihre Erfahrungen mit Mobbing und öffentlichem Druck gesprochen. Sie setzt sich für mentale Gesundheit ein und ermutigt ihre Fans, bei Problemen Hilfe zu suchen. Die Offenheit, mit der sie nun über ihre leichte Depression spricht, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Sie hofft, dass ihr Beispiel anderen helfen kann, die ähnliche Gefühle nach dem Ende einer wichtigen Lebensphase durchmachen.
Die Fans von "Stranger Things" haben die Serie mittlerweile abgeschlossen, und die Diskussionen über mögliche Spin-offs oder eine Fortsetzung halten an. Für Brown steht jedoch der persönliche Abschied im Vordergrund. Sie wird Eleven vermissen, aber sie wird auch die Freundschaften pflegen, die sie während der Dreharbeiten geschlossen hat. "Ich will wirklich, dass wir befreundet sind", sagte sie zu ihren Kollegen. Dieser Wunsch zeigt, wie sehr ihr die menschlichen Beziehungen am Herzen liegen, die über die reine Arbeit hinaus Bestand haben.
Die Erfahrung von Millie Bobby Brown beleuchtet ein breiteres Thema: den Umgang mit Veränderungen im Leben. Egal, ob es sich um das Ende einer Serie, den Abschluss des Studiums oder den Wechsel des Arbeitsplatzes handelt, der Abschied von vertrauten Strukturen kann schmerzhaft sein. Die Schauspielerin hat gezeigt, dass es in Ordnung ist, diese Gefühle zuzulassen und offen darüber zu sprechen. Ihre ehrlichen Worte im Podcast bieten einen seltenen Einblick hinter die Kulissen des Showbusiness, wo oft nur Glanz und Gloria gezeigt werden.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass Millie Bobby Brown diesen Tiefpunkt überwunden hat. Sie blickt nach vorne und nutzt die Energie, um neue Projekte zu verwirklichen und ihre Freundschaften zu pflegen. Ihre Geschichte ist eine Erinnerung daran, dass selbst die erfolgreichsten und scheinbar unbekümmertsten Menschen mit emotionalen Herausforderungen kämpfen können. Der offene Umgang mit solchen Themen kann helfen, Stigmata abzubauen und Betroffenen das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind.
Für Interessierte: Bei Anzeichen von Depressionen bietet das überregionale Krisentelefon unter 0800 1110111 schnelle und anonyme Hilfe. Weitere Informationen gibt es bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.
Source: gala.de News