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Rachel Zegler: Schauspielerin sollte beweisen, dass sie Latina ist

Jul 25, 2026  Twila Rosenbaum  13 views
Rachel Zegler: Schauspielerin sollte beweisen, dass sie Latina ist

Für ihren neuen Film „Schneewittchen“ warfen ihr die Leute vor, zu sehr Latina zu sein, für einen früheren war sie nicht Latina genug: Rachel Zegler, 23, kann es Kinobesuchern und Produzenten offenbar nicht recht machen. Die US-Schauspielerin verkörpert in der aktuellen Neuauflage des gleichnamigen Märchens das Schneewittchen. Aufgrund ihrer kolumbianischen Wurzeln kritisierten einige die Besetzung als „zu woke“. Zegler sei nicht weiß genug, um Schneewittchen zu spielen, und nur aufgrund einer Diversitätsagenda besetzt worden. Die junge Schauspielerin geht mit der Kritik in einem Interview mit „Allure“ gelassen um: Sie habe die Rolle wegen ihres Talents, nicht wegen ihres Aussehens bekommen. „Ich habe eine Chance bekommen, weil ich singen kann“, sagte sie dem Frauenmagazin.

Und auch „Schneewittchen“-Regisseur Marc Webb weist diskriminierende Kritik zum Casting ab: „Schneewittchen hat eine optimistische, jugendliche Anmut. Selbst in ihren dunkelsten Momenten findet sie Menschlichkeit und Schönheit in anderen. Rachel verkörpert genau das. Und es schadet auch nicht, dass sie uns bei den Probeaufnahmen mit ihrer Version von ‚Waiting on a Wish‘ zum Weinen gebracht hat.“

Die doppelte Messlatte für Latina-Schauspielerinnen

Doch nicht nur im Fall des Films „Schneewittchen“ musste sich Zegler für ihre Herkunft rechtfertigen, auch für ihre Rolle in der Neufassung des Musicals „West Side Story“ von Steven Spielberg ging es um ihre Wurzeln. „Es sorgt für Verwirrung, weil mein Name nicht lateinamerikanisch ist“, sagte Zegler. „Als ich für die Rolle der Maria in ‚West Side Story‘ im Rennen war, wurde ich ständig angerufen und gefragt, ob ich echte Latina sei. Ich weiß noch, dass ich dachte: Soll ich meine Abuelita mitbringen? Das werde ich tun. Ich bringe sie mit ins Produktionsbüro, wenn Sie sie kennenlernen wollen.“ „Dass eine Gruppe weißer Führungskräfte von dir verlangt, deine Identität zu beweisen“, fand Zegler merkwürdig.

Dieses Phänomen ist in Hollywood nicht neu. Schauspielerinnen mit lateinamerikanischen Wurzeln berichten immer wieder von zwei gegensätzlichen Erwartungen: Einerseits werden sie für Rollen, die traditionell mit weißen Darstellern besetzt sind, als „zu ethnisch“ angesehen. Andererseits müssen sie für spezifisch hispanische oder lateinamerikanische Rollen oft nachweisen, dass sie „authentisch“ genug sind – etwa durch Nachnamen, Akzente oder familiäre Herkunft. Zegler, die in den USA geboren wurde, deren Mutter die Tochter kolumbianischer Einwanderer ist und deren Vater polnische Wurzeln hat, steht exemplarisch für diese Widersprüche.

Rachel Zeglers Weg nach Hollywood

Die heute 23-Jährige wurde am 3. Mai 2001 in Hackensack, New Jersey, geboren. Schon als Kind entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Singen und Schauspielen. Sie besuchte die Immaculate Conception High School in Lodi, wo sie in Schulmusicals mitwirkte. 2019 veröffentlichte sie auf YouTube ein Video, in dem sie „Shallow“ aus „A Star Is Born“ sang – und wurde von einem Casting-Director entdeckt. Kurz darauf erhielt sie die Rolle der Maria in Steven Spielbergs „West Side Story“. Der Film brachte ihr 2022 einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin in einer Komödie oder Musical ein – eine bemerkenswerte Leistung für eine damals 20-Jährige.

Nach dem Erfolg von „West Side Story“ wurde Zegler schnell zu einer der gefragtesten jungen Schauspielerinnen. Sie spielte in „Shazam! Fury of the Gods“ (2023) die Rolle der Anthea und übernahm die Hauptrolle in Disneys Realfilm-Adaption von „Schneewittchen“. Letztere sorgte bereits vor dem Drehbeginn für Kontroversen. Kritiker warfen Disney vor, die klassische Figur des weißen, blassen Schneewittchens durch eine Latina-Schauspielerin zu ersetzen. Dabei hatte der Filmkonzern schon lange angekündigt, Diversität in seinen Neuverfilmungen zu fördern – etwa mit Halle Bailey als Ariel in „The Little Mermaid“ oder mit Liu Yifei als Mulan.

Die Debatte um „Wokeness“ und Authentizität

Die Diskussion um Zeglers Besetzung als Schneewittchen ist Teil einer größeren gesellschaftlichen Debatte über „Wokeness“ in der Unterhaltungsindustrie. Konservative Stimmen werfen Disney vor, „klassische Geschichten“ zu verändern, um politische Korrektheit zu demonstrieren. Befürworter hingegen argumentieren, dass Märchen und Mythen nicht an eine bestimmte Hautfarbe gebunden seien. Schneewittchen – dessen Name im Original auf die weiße Haut der Figur anspielt – sei dennoch oft als Symbol einer weißen, westlichen Schönheitsideal verstanden worden.

Rachel Zegler selbst hat in Interviews deutlich gemacht, dass sie sich nicht in diese politischen Grabenkämpfe ziehen lassen möchte. „Ich bin Schauspielerin, nicht Aktivistin. Ich spiele Rollen, die mir angeboten werden, und ich tue mein Bestes, um sie mit Leidenschaft und Wahrhaftigkeit auszufüllen. Ob ich nun eine Latina oder eine Weiße spiele – am Ende zählt die Qualität der Performance.“ Dennoch sei ihr bewusst, dass sie als öffentliche Figur eine Vorbildfunktion habe. „Es gibt viele junge Mädchen, die aussehen wie ich und die sich wünschen, sich im Kino wiederzuerkennen. Wenn ich einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dann ist das wunderbar.“

Historische Perspektive: Latinos in Hollywood

Die Forderung, dass Schauspieler ihre ethnische Identität nachweisen müssen, ist kein neues Phänomen. In den 1940er- und 1950er-Jahren spielten weiße Schauspieler oft Latinos, etwa wenn Marlon Brando in „Viva Zapata!“ den mexikanischen Revolutionär verkörperte. Später wechselte das Bild: In den 1990er-Jahren wurden Schauspieler wie Jennifer Lopez für Rollen gecastet, die explizit lateinamerikanische Wurzeln verlangten. Doch während Lopez oft als „zu weiß“ oder „zu amerikanisiert“ kritisiert wurde, sahen sich andere wie die kubanischstämmige Eva Mendes mit dem Klischee der „heißen Latina“ konfrontiert.

In den letzten Jahren hat die Diskussion über kulturelle Aneignung und Authentizität in Hollywood zugenommen. Streaming-Dienste wie Netflix und Disney+ veröffentlichen immer mehr Formate mit überwiegend nicht-weißen Casts, etwa „Coco“ oder „Encanto“. Dennoch bleibt der Druck auf Schauspieler mit Migrationshintergrund hoch: Sie müssen oft als „Repräsentanten“ ihrer gesamten Community auftreten, während sie gleichzeitig gegen Karrierehindernisse kämpfen.

Rachel Zegler hat aus diesen Erfahrungen ihre Lehren gezogen. „Ich liebe es, Kolumbianerin zu sein“, sagte sie dem Magazin „Allure“. „Es ist ein Teil von mir, den ich nie verleugnen werde. Aber ich möchte auch nicht darauf reduziert werden. Ich bin Schauspielerin. Punkt.“

Zeglers Zukunftsvisionen

Trotz aller Kontroversen bleibt Zegler optimistisch. Sie hat mehrere Projekte in der Pipeline: Neben dem bereits erschienenen „Schneewittchen“ wird sie im Drama „Parachute“ mitspielen und eine Hauptrolle in der Verfilmung des Musicals „The Great British Bake Off“ übernehmen – ein Scherz, den sie auf ihrem Instagram postete. Im Ernst: Sie arbeitet an einer eigenen Musik-Karriere und hat bereits einige Singles veröffentlicht.

In einem kürzlichen Interview mit der „New York Times“ betonte Zegler, wie wichtig es sei, sich von den Erwartungen anderer zu lösen. „Ich habe sehr früh gelernt, dass ich es nicht allen recht machen kann. Manche Leute werden mich immer als die Latina sehen, die ihnen zu ‚woke‘ ist. Andere werden mich nie als Latina akzeptieren. Aber ich weiß, wer ich bin. Und das reicht.“

Abschließend bleibt festzuhalten, dass Rachel Zegler mit ihrer offenen Art und ihrer schauspielerischen Leistung einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diversitätsdebatte leistet. Sie zeigt, dass Identität komplexer ist als eine schwarz-weiße Kategorisierung. Und sie beweist, dass Talent und Leidenschaft letztlich stärker sind als jede Vorurteile.


Source: Spiegel News


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