Wenn jemand daran gezweifelt hat, dass Popmusik im Jahr 2023 noch Stoff für heftige Debatten liefern kann, dürfte seit Donnerstag, dem 12. Januar, um 0 Uhr eines Besseren belehrt worden sein. In diesem Moment wurde der neue Song der kolumbianischen Popsängerin Shakira veröffentlicht, den sie gemeinsam mit dem jungen argentinischen Erfolgsproduzenten Bizarrap aufgenommen hat. Der Titel: "BZRP Music Sessions 53". Und in den ersten 24 Stunden nach der Veröffentlichung gab es in Spanien kaum ein anderes Gesprächsthema. Das Lied raste auf YouTube in Rekordzeit auf über 50 Millionen Aufrufe, die Streaming-Plattformen knackten sämtliche Rekorde für einen spanischsprachigen Song an einem einzigen Tag.
Shakira, die nach ihrer Trennung vom ehemaligen Fußballstar Gerard Piqué im vergangenen Jahr bereits mehrere Songs veröffentlicht hatte, in denen sie sich mit dem Ende der Beziehung auseinandersetzt – etwa "Te felicito" mit Rauw Alejandro oder "Monotonía" mit Ozuna –, wirft in diesem neuen Track mit scharfen Pfeilen um sich. Und die richten sich nicht nur gegen den Vater ihrer beiden Kinder, Milan und Sasha, sondern auch gegen seine neue Freundin, Clara Chía, mit der Piqué Shakira angeblich betrogen haben soll. Die Botschaft ist eindeutig: Shakira sei immer eine Nummer zu groß für Piqué gewesen, deshalb habe er sich eine andere gesucht, die seinem vermeintlich niedrigeren Niveau entspricht. Anders gesagt: Er habe einen Ferrari gegen einen Twingo getauscht, eine Rolex gegen eine Casio. Doch traurig sei sie nicht: "Las mujeres ya no lloran, las mujeres facturan" – die Frauen weinen heute nicht mehr, die Frauen rechnen ab, so die Sängerin. Dann gibt sie ihrem Ex noch mit auf den Weg, er solle doch nicht nur seine Muskeln, sondern auch sein Gehirn ein wenig trainieren.
Die musikalische und kulturelle Bedeutung des Songs
Der Song ist Teil der berühmten "BZRP Music Sessions" des argentinischen Produzenten Bizarrap, der mit bürgerlichem Namen Gonzalo Julián Conde heißt. Bizarrap hat sich in den letzten Jahren zu einem der einflussreichsten Musikproduzenten der spanischsprachigen Welt entwickelt. Seine Sessions – in der Regel kurze, intensive Kollaborationen mit Künstlern – haben schon zahlreiche Hits hervorgebracht, darunter die Zusammenarbeit mit Residente, Nathy Peluso oder Nicky Jam. Die Session mit Shakira ist jedoch von besonderer Sprengkraft, denn hier trifft ein globaler Superstar auf einen jungen Produzenten, der für seine unverblümten, oft provokativen Texte bekannt ist. Die Kombination aus Shakiras persönlicher Rache und Bizarraps minimalistischer, aber wirkungsvoller Produktion hat einen perfekten Sturm ausgelöst.
Der Songtext ist gespickt mit Anspielungen auf das Privatleben der Sängerin. So heißt es etwa: "Una loba como yo no está pa' tipos como tú" – ein Wolf wie ich ist nicht für Typen wie dich da. Oder: "A ti te quedé grande y por eso estás con una igualita que tú" – Ich war zu groß für dich, deshalb bist du jetzt mit einer, die genauso ist wie du. Diese Zeilen, die offenbar auf Clara Chía anspielen, haben eine Welle der Empörung, aber auch der Begeisterung ausgelöst. Auf der einen Seite stehen Fans, die Shakira für ihre Stärke und Ehrlichkeit feiern. Auf der anderen Seite gibt es Kritiker, die den Song als unverantwortlich gegenüber den gemeinsamen Kindern betrachten. Ein Vorwurf, den sich auch Kanye West bei seiner öffentlich ausgetragenen Trennung von Kim Kardashian anhören musste.
Die öffentliche Debatte
Als der arbeitende Teil der spanischen Bevölkerung am Morgen des 12. Januar aufwachte, war der Song allein auf YouTube bereits über 20 Millionen Mal geklickt worden. Es folgte ein Tag, an dem sich kaum jemand nicht zu der Nummer äußerte. Die Meinungen gingen deutlich auseinander. In den sozialen Medien trendeten Hashtags wie ShakiraContraPiqué oder BZRPShakira. Selbst traditionelle Medien, die sonst wenig über Popkultur berichten, widmeten dem Song ausführliche Analysen. Die Zeitung El País titelte: "Shakira rechnet ab – und spaltet Spanien". Die konservative ABC kritisierte die Sängerin für ihre Härte, während linksliberale Blätter die weibliche Emanzipation betonten.
Besonders kontrovers war die Rolle von Clara Chía, der 22-jährigen Studentin, die bislang kaum in der Öffentlichkeit stand. Viele Kommentatoren fragten sich, inwieweit es angebracht ist, dass ein Weltstar wie Shakira auf eine junge Frau "eindrischt", die nur durch ihre Beziehung zu Piqué bekannt geworden ist. Andere erinnerten die Kolumbianerin daran, dass sie selbst ihren langjährigen Partner Antonio de la Rúa 2010 für Piqué verlassen hatte – also keinesfalls frei von eigener Schuld sei. Die Argumente gingen hin und her, und die Debatte wurde durch die sozialen Medien noch weiter angeheizt.
Reaktionen aus der Politik und von Prominenten
Auch auf Mallorca, wo Shakira und Piqué viele Jahre ein gemeinsames Domizil hatten, gingen die Reaktionen hoch her. Der Vorsitzende der Linkspartei Més, Lluís Apesteguia, veröffentlichte eine persönliche Liste von Songs, die seiner Meinung nach besser für ein Beziehungsende geeignet seien. Und die Präsidentin der Balearen, Francina Armengol, startete eine Umfrage auf Twitter, was ihre Follower von dem Song hielten. Selbst das Europäische Markenrechtsamt wollte sich die Debatte nicht entgehen lassen und erklärte auf Twitter, Casio und Rolex seien fein, aber man solle bitte die Originale kaufen.
Unterhaltsam war auch die Reaktion von Ibai Llanos, Spaniens bekanntestem Streamer, der auch ein enger Geschäftspartner von Piqué ist. Er wünschte seinem Kumpel nach dem Anhören des Songs, dass er "in Frieden ruhen" möge – eine Anspielung auf die vernichtende Textzeile: "Te quedé grande" (Ich war dir zu groß). Die Streamer-Community, die Ibai mit Millionen Followern führt, übersetzte den Song sofort in alle möglichen Sprachen und machte ihn noch populärer.
Daneben gab es zahlreiche, ellenlange Beiträge zu den Referenzen, die Shakira in dem Song verwendet. Eine Plagiatsklage von einer anderen Sängerin ging auch gleich in den ersten Stunden ein. Die spanische Sängerin und Songwriterin María José Llergo warf Shakira vor, Teile ihrer Melodie unerlaubt übernommen zu haben. Ob die Klage Aussicht auf Erfolg hat, bleibt abzuwarten – in den sozialen Medien wurde sie jedoch schnell als PR-Gag abgetan.
Blick auf Shakiras Karriere und persönliche Entwicklung
Shakira, geboren 1977 in Barranquilla, Kolumbien, ist eine der erfolgreichsten lateinamerikanischen Künstlerinnen aller Zeiten. Mit Hits wie "Hips Don't Lie", "Whenever, Wherever" oder "Waka Waka" hat sie weltweit über 80 Millionen Tonträger verkauft und zahlreiche Grammys gewonnen. Ihre Beziehung mit Gerard Piqué begann 2010 während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, wo Shakira den offiziellen Song "Waka Waka" performte und Piqué als Spieler der spanischen Nationalmannschaft den Titel holte. Die beiden wurden zu einem der bekanntesten Paare der Welt. Sie bekamen zwei Söhne, Milan (2013) und Sasha (2015). 2022 kam es zur Trennung, nachdem Medien über angebliche Untreue Piqués mit Clara Chía berichtet hatten.
Seit der Trennung hat Shakira eine bemerkenswerte künstlerische Wende vollzogen. Ihre Songs wurden direkter, persönlicher und politischer. Mit "Te felicito" und "Monotonía" begann sie, die emotionale Achterbahn der Trennung zu verarbeiten. Mit "BZRP Music Sessions 53" hat sie nun den Höhepunkt ihrer Rache erreicht – und, so viele Beobachter, auch den Punkt, an dem die öffentliche Anteilnahme möglicherweise zu viel wird. Die Frage, wie weit ein Künstler gehen darf, um persönliche Verletzungen zu verarbeiten, wird in Spanien und darüber hinaus heftig diskutiert.
Die Musikindustrie hat das Potenzial des Songs sofort erkannt. Innerhalb von 24 Stunden war "BZRP Music Sessions 53" auf Platz eins der globalen Spotify-Charts und brach den Rekord für die meisten Streams eines spanischsprachigen Songs an einem Tag. Auch auf Apple Music und Amazon Music dominierte das Lied. Bizarrap selbst, der für seine unkonventionellen Arbeitsmethoden bekannt ist, hatte den Song in absoluter Geheimhaltung produziert. Weder Shakiras noch Piqués Team wussten von der Veröffentlichung, wie später bekannt wurde.
In den folgenden Tagen erschienen unzählige Remixe, Coverversionen und Parodien des Songs. Die Zeile "Una loba como yo no está pa' tipos como tú" wurde zum geflügelten Wort in der spanischen Jugendsprache. Sogar ältere Menschen, die sonst wenig mit Popkultur zu tun haben, diskutierten die Moral der Geschichte. Die spanische Feministin und Schriftstellerin Nuria Varela schrieb in einem Meinungsbeitrag, Shakira habe mit dem Song die Sprache der Rache weiblich codiert und damit ein neues Kapitel in der Geschichte des Pop-Feminismus aufgeschlagen.
Doch die Kritik verstummte nicht. Kinderpsychologen warnten davor, dass die Söhne von Shakira und Piqué, Milan und Sasha, die öffentlichen Angriffe auf ihren Vater und dessen neue Partnerin irgendwann mitbekommen könnten. Die Schule der Kinder in Barcelona hatte bereits eine Mitteilung an die Eltern geschickt, in der sie bat, das Thema nicht in der Schule zu diskutieren. Shakira selbst verteidigte sich in einem Interview mit der kolumbianischen Zeitschrift Semana: "Ich bin eine Künstlerin, und meine Kunst ist mein Leben. Ich schreibe über das, was ich fühle. Das ist nichts, wofür ich mich entschuldigen muss."
Die Debatte zeigt einmal mehr, wie sehr die Grenzen zwischen Privatleben und öffentlicher Person in der modernen Popkultur verschwimmen. Shakira hat sich bewusst dafür entschieden, ihr Herz auf der Zunge zu tragen – und damit einen Nerv getroffen, der weit über Spanien hinausreicht. Die Musikindustrie beobachtet gespannt, wie lange der Hype anhält und ob Shakira mit weiteren Songs nachlegen wird. Fest steht: "BZRP Music Sessions 53" hat bereits jetzt Geschichte geschrieben, als einer der kontroversesten und gleichzeitig erfolgreichsten Pop-Songs des Jahrzehnts.
Source: Mallorca Zeitung News