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Stephen Curry: Herbstblüte

Jul 28, 2026  Twila Rosenbaum  4 views
Stephen Curry: Herbstblüte

Mit 33 Jahren marschiert Stephen Curry eigentlich auf den Herbst seiner unglaublichen Karriere zu – wenn er nicht sogar schon mit beiden Füßen drin steht. Der Superstar der Golden State Warriors hat mittlerweile inklusive etlichen langen Playoff-Runs fast 900 NBA-Spiele in den Beinen. Die letzten Jahre waren von Verletzungen geprägt, und auch die große Dynastie seines Teams schien sich in den neuen Lichtern der Moderne zu verlieren. Doch all diesen Anzeichen zum Trotz hat Stephen Curry noch lange nicht fertig in der besten Basketballliga der Welt.

Stephen Currys Füße bewegen sich, die Bälle fliegen – ein Fake hier, ein Pass dort. Um ihn herum tanzt ein wohlgeübtes Ballett. Ein fulminantes Orchester der Bewegung, dem er als Dirigent vorsteht. Wenn er Basketball spielt, dann sieht es irgendwie anders aus als bei den meisten anderen. Es läuft alles flüssiger, reibungsloser. Die üblichen Dimensionen von Dreierlinie und bekannten Winkeln verschwimmen – im Angesicht der Künste des wohl besten Schützen, den dieses Spiel jemals gesehen hat. Und verdammt, wie scheint es ihm Spaß zu machen. Ihm und all denen, die ihm zuschauen. Endlich wieder.

Es waren zwei lange Jahre, in denen sowohl Curry als auch die Warriors nicht das sein konnten, was sie waren. Und auch nicht das, was sie sein wollten. Verletzungen dezimierten ihre Reihen, die Freude versiegte, das Spiel wirkte gehemmt. Fast normal – ein Wort, das in Bezug auf Steph Curry eigentlich nicht fallen darf. Schließlich war er Scoring Champion der vergangenen Saison. Doch der Stachel des enttäuschenden Aus in der Play-In-Runde saß tief, nach bereits verpassten Playoffs und schwerer Verletzung im Vorjahr.

Ein Stück Leichtigkeit schien verloren gegangen zu sein. Sind es doch in den Sphären, in denen er und andere All-Time-Greats sich bewegen, vor allem die Siege, die am Ende zählen. Diese Zeiten von Diskrepanzen scheinen vorbei. Curry und sein Team drücken dem Saisonbeginn mit 16 Siegen aus 18 Spielen ihren Stempel auf. Sie spielen wieder ihren patentierten Small Ball, den sie vorne mit explosivem Teambasketball und hinten mit aggressiver Verteidigung krönen. Kein Team erzielt mehr Punkte, niemand verteidigt besser. Und einer ist wieder ganz der Alte: Stephen Curry.

Am 9. November wird das besonders deutlich, als die Atlanta Hawks im Chase Center vorstellig werden. Anfangs führen die Gäste, doch dann übernimmt Curry. Mit jedem Wurf aus Schieflage oder zwei Meter hinter der Dreierlinie, mit jedem Assist wie an einer Schnur gezogen, peitscht er das Publikum in eine Ekstase, die nur er hervorrufen kann. Curry ballt die Fäuste, feiert jeden Korb, als wäre es der entscheidende in Game Seven der NBA-Finals. Am Ende stehen 50 Punkte, zehn Assists und sieben Rebounds – 14 von 28 Feldwürfen, neun von 19 Dreiern, makellose Freiwürfe. Curry wird mit dieser Partie der älteste Spieler, dem 50 oder mehr Punkte und zehn oder mehr Assists in einem Spiel gelingen – ein Meilenstein, dem weitere folgen dürften.

Das bemerkenswerte an seiner Leistung: Es sieht so einfach aus. Er läuft, passt, springt wie in "Cruise Control", ist Herr der Lage. Sein Lächeln, der kindliche Blick voller Freude – in dem sich aber auch sein gnadenloser Killerinstinkt versteckt – vermittelt den Eindruck von Müßiggang. Natürlich ist nichts davon einfach, selbst für den Ausnahmekönner nicht. "Ich arbeite im Sommer sehr hart an meinem Spiel", sagt Curry. "Dadurch komme ich zu Beginn einer Saison immer gut in meinen Rhythmus. Ich spiele aggressiv, bin konzentriert, suche meinen Platz im System und mache mir keine Sorgen um Zahlen." Diese Einstellung hat ihn als einen der härtesten Offseason-Arbeiter der Liga etabliert.

Im vergangenen Sommer verzichtete er auf die Olympischen Spiele in Tokio, um sich voll auf die NBA vorzubereiten. Mit Coach Brandon Payne feuerte er unzählige Würfe ab, nutzte einen Shot Tracker, um Flugkurve, Bewegung und Eintreffwinkel zu analysieren. Das Ziel: Der Perfektion näherkommen. Trat der Ball nicht genau in die Mitte des Zylinders, galt der Versuch als daneben – und Curry musste zusätzliche Runden drehen. "Der mentale Aspekt war entscheidend", sagt er. "Wenn ich von vorne anfangen musste, wurde es zur Konditionsübung. Mit Müdigkeit wuchs der Drang, die Schüsse zu treffen – so simulierten wir Druck einer NBA-Partie."

Diese Gedanken und der kritische Blick trennen die ganz Großen von den anderen. Curry nennt ein Triple Double im ersten Spiel "Müll", weil er nur fünf von 21 Würfen traf. Head Coach Steve Kerr sagt: "Er hält sich an die höchsten Standards. Er studiert das Spiel und kennt seinen Platz in der Geschichte. Auf der High School bekam er kaum Stipendien – das Wissen, sich alles erarbeiten zu müssen, ist fest verankert. Diese Kombination aus Selbstbewusstsein und Demut findet man selten."

Die Warriors spüren diese Kraft. Jungstars wie Jordan Poole oder Veteranen wie Nemanja Bjelica genießen die Strahlkraft ihres Anführers. Kerr stellte die Rotation um: Curry wird nun in der Mitte eines Viertels ausgewechselt, sodass er zu Beginn und Ende der Abschnitte auf dem Feld ist. Außerdem kann er öfter gegen Ersatzspieler genutzt werden. "Steph ist offen für alles, wenn es uns hilft, Spiele zu gewinnen", sagt Kerr.

Wie viele Siege am Ende stehen? Eine der faszinierenden Fragen. Wenn Klay Thompson und James Wiseman zurückkehren, könnten die Warriors noch stärker werden. Schon jetzt zwingen sie Nacht für Nacht den Gegnern ihre Spielweise auf, diktieren mit Small Ball die Lineups. Der Rhythmus ist entscheidend – und Currys Fokus liegt darauf. "Das ultimative Ziel ist die Rückkehr zu den Meisterschaftsanwärtern", sagt Curry. "Es ist Zeit, das Level zu erreichen, von dem wir wissen, dass wir es in uns haben. Es wird anders aussehen als früher, aber wir müssen diese Aufgabe annehmen."

Curry hat es längst getan. Er hat die Schwierigkeiten umschifft und das Warriors-Boot als Kapitän in erfolgreiche Fahrwasser gelenkt. Natürlich ist er 33. Doch was sind solche Zahlen im Vergleich zu dem, was er immer noch auf das Parkett zaubert? Normal wäre es, wenn er etwas langsamer machen müsste. Aber was ist schon normal in Bezug auf Stephen Curry.


Source: BASKET News


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