José Mourinho hat im Rahmen eines Interviews für die spanische Fußball-Talkshow „El Chiringuito“ seinen ersten öffentlichen Medienauftritt abseits des eigenen Vereinssenders absolviert. Dabei sprach der Trainer von Real Madrid offen über die vergangene Saison der Königlichen, die Verlängerung von Vinícius Júnior und seine bisherige Zusammenarbeit mit der Mannschaft. Besonders bemerkenswert war seine Aussage, dass „viele versagt“ hätten – eine klare Ansage an einige Akteure des Kaders.
„Viele haben versagt“ – Mourinho übt Kritik
Auf die Frage nach den Gründen für die schwankenden Leistungen in der Vorsaison antwortete Mourinho mit ungewohnter Deutlichkeit: „Viele haben versagt. Das ist keine Kritik an einzelnen Namen, sondern eine Tatsache. Wenn man bei Real Madrid spielt, gehört es zu deinen Pflichten, Verantwortung zu übernehmen. In entscheidenden Momenten haben zu viele Spieler nicht das abgerufen, was man von ihnen erwarten darf.“ Der 63-Jährige vermied es, konkrete Namen zu nennen, ließ aber durchblicken, dass die Mannschaft in der vergangenen Spielzeit weit unter ihren Möglichkeiten geblieben sei.
Mourinho betonte, dass er keine Einzelkritik üben wolle, sondern die gesamte Mannschaft in die Pflicht nehme. „Wir haben einen Kader mit außergewöhnlichem Potenzial. Aber Potenzial allein reicht nicht. Es braucht Charakter, es braucht Siegermentalität, es braucht die Bereitschaft, im entscheidenden Moment über sich hinauszuwachsen. Das habe ich in der vergangenen Saison zu oft vermisst.“
Beeindruckt von Mbappé
Eine Ausnahme macht Mourinho dabei offenbar Kylian Mbappé. Der Franzose, der im Sommer 2024 zu Real Madrid gewechselt war, hat den Portugiesen nachhaltig beeindruckt. „Mbappé ist ein außergewöhnlicher Spieler. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern wegen seiner Einstellung. Er trainiert hart, er will immer gewinnen, er nimmt Kritik an und arbeitet an sich. Ich bin froh, dass ich mit ihm zusammenarbeiten darf.“
Mourinho hob insbesondere die taktische Flexibilität des Franzosen hervor. „Er kann als Mittelstürmer spielen, er kann von links kommen, er kann Räume öffnen. Aber das Wichtigste: Er versteht das Spiel. Er weiß, wann er laufen muss, wann er stehen bleiben muss, wann er den Ball fordern muss. Das ist nicht selbstverständlich bei einem Spieler mit seinem Status.“
Der Trainer machte deutlich, dass er mit Mbappé noch große Pläne hat. „Er ist noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Das ist das Schöne. Bei aller Klasse, die er bereits zeigt, gibt es noch Potenzial. Wir werden gemeinsam daran arbeiten, dass er noch konstanter wird.“
Vinícius Júnior und die Vertragsverlängerung
Ein weiteres Thema des Interviews war die Vertragsverlängerung von Vinícius Júnior. Der Brasilianer hatte in den vergangenen Monaten immer wieder mit Wechselgerüchten zu kämpfen gehabt. Mourinho stellte klar, dass Vinícius ein zentraler Bestandteil seiner Planungen ist. „Vinícius ist ein Spieler, der Spiele entscheiden kann. Er hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er auf höchstem Niveau konstant liefern kann. Seine Verlängerung ist ein starkes Signal – für ihn, für die Mannschaft, für den Verein.“
Der Portugiese lobte auch die Persönlichkeit des Brasilianers. „Viele sehen nur den Tänzer, den Entertainer. Aber ich sehe einen jungen Mann, der unglaublich professionell ist. Er liebt diesen Verein, er will hier Geschichte schreiben. Das schätze ich sehr.“
Mourinho deutete an, dass Vinícius in seiner Planung eine noch wichtigere Rolle spielen könnte. „Er hat das Zeug zum Anführer. Nicht laut, sondern durch seine Leistung. Er ist auf dem Weg, einer der Führungsspieler dieser Mannschaft zu werden.“
„Ich bin viel reifer, weniger emotional“
Im Interview sprach Mourinho auch über seine persönliche Entwicklung seit seiner ersten Amtszeit bei Real Madrid (2010 bis 2013). „Ich habe mich sehr verändert, sowohl als Mensch als auch als Trainer. Ich bin viel reifer, weniger emotional, dafür kontrollierter. Wie immer lerne ich aus Fehlern. Aber nie mit dem Gefühl, dass ich dies oder jenes bereue. Ich finde, es hilft dir im Leben nicht, etwas zu bereuen. Man muss durch die Erfahrungen lernen.“
Der 63-Jährige fügte hinzu: „Ich würde nicht sagen, dass man einen langweiligeren Mourinho sieht. Langweiliger nicht.“ Diese Aussage deutet darauf hin, dass er seine emotionale Art nicht vollständig abgelegt hat, sondern sie nun gezielter einsetzt.
Mourinhos zweite Amtszeit bei Real Madrid
Mourinho war im Sommer 2026 erneut als Trainer von Real Madrid vorgestellt worden. Nach seiner ersten Amtszeit, in der er mit den Königlichen unter anderem die Meisterschaft 2012 und den Supercopa de España gewann, folgten Stationen bei Chelsea, Manchester United, Tottenham Hotspur und zuletzt bei AS Rom sowie einem Engagement in der Türkei. Nun ist er zurück an der Concha Espina.
Seine Rückkehr war von vielen Beobachtern als Überraschung gewertet worden. Doch Mourinho selbst sieht sich als richtigen Mann zur richtigen Zeit. „Real Madrid ist nicht irgendein Verein. Das ist eine Institution. Ich habe in meiner Karriere viel erlebt, aber die Rückkehr hierher ist etwas Besonderes.“
In der Vorbereitung auf die Saison 2026/27 hat Mourinho bereits erste Akzente gesetzt. Er setzt auf eine Mischung aus erfahrenen Führungsspielern und jungen Talenten. Dabei scheut er sich nicht, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen.
Die vergangene Saison als Lehre
Die vergangene Saison war für Real Madrid aus Sicht vieler Fans enttäuschend verlaufen. In der LaLiga verpasste man die Meisterschaft deutlich, auch in der Champions League war bereits im Viertelfinale Schluss. Mourinho analysierte die Gründe dafür mit ungewohnter Offenheit. „Wir haben in der Vorsaison zu viele Punkte liegen gelassen. Gegen die vermeintlich kleineren Teams haben wir uns zu oft schwergetan. Das ist eine Mentalitätsfrage, keine Qualitätsfrage.“
Der Trainer kündigte an, dass sich das unter seiner Führung ändern werde. „Ich verlange von meinen Spielern, dass sie jedes Spiel ernst nehmen, egal gegen wen wir spielen. Wer bei Real Madrid nicht bereit ist, diesen Anspruch zu akzeptieren, der wird es schwer haben.“
Die Rolle der Führungsspieler
Ein wichtiger Baustein für Mourinhos Plan sind die erfahrenen Spieler im Kader. Neben Vinícius Júnior und Kylian Mbappé setzt er auf Spieler wie Jude Bellingham, der in der vergangenen Saison eine schwankende Form gezeigt hatte. „Jude ist ein unglaublicher Spieler, aber auch er muss lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Er ist jung, er wird besser werden.“
Mourinho betonte, dass er von seinen Führungsspielern mehr erwartet als nur gute Leistungen auf dem Platz. „Sie müssen Vorbilder sein, im Training, in der Kabine, im Umgang mit den jungen Spielern. Das ist eine Verantwortung, die man nicht ablegen kann.“
Die Fans im Blick
Zum Abschluss des Interviews richtete Mourinho eine Botschaft an die Fans von Real Madrid. „Ich weiß, was dieser Verein den Menschen bedeutet. Ich spüre die Energie im Stadion, die Leidenschaft, die Emotion. Ich verspreche euch: Diese Mannschaft wird kämpfen, bis zur letzten Minute. Wir wollen Titel gewinnen, und wir werden alles dafür tun.“
Die Erwartungen sind hoch, die Aufgabe ist groß. Doch Mourinho wirkt entschlossen, seine zweite Amtszeit bei Real Madrid erfolgreicher zu gestalten als viele seiner jüngsten Engagements. Mit seiner Erfahrung, seiner taktischen Finesse und seiner klaren Ansprache könnte er genau die Richtung vorgeben, die der Verein in dieser Übergangsphase benötigt.
Source: REAL TOTAL News