Biphoo.eu - Guest Posting Services

collapse
Home / Daily News Analysis / Ein Bollywood-Star mit Berliner Wurzeln: Alia Bhatt

Ein Bollywood-Star mit Berliner Wurzeln: Alia Bhatt

Jul 14, 2026  Twila Rosenbaum  3 views
Ein Bollywood-Star mit Berliner Wurzeln: Alia Bhatt

Indien ist weit, und die Bollywood-Filme, die hierzulande ins Kino kommen, richten sich vor allem an die indischstämmige Community und Menschen mit dem entsprechenden Nischengeschmack. Alia Bhatt, 1993 in Mumbai geboren, ist ein Bollywood-Star und aus genannten Gründen hierzulande kaum bekannt. Ein paar Filmbuffs könnten sie in „Gully Boy“ gesehen habe, der 2019 auf der Berlinale lief. Am Freitag kommt ihr neuer Film in die Kinos: „Gangubai Kathiawadi“, er hatte gerade bei der Berlinale Weltpremiere. Alia Bhatts Rolle ist für die konservative indische Gesellschaft recht gewagt: Sie spielt eine Prostituierte. Sicher, sie hat dieses Gewerbe nicht freiwillig gewählt, sondern ist in eine Falle gelockt und an ein Bordell in Mumbai verkauft worden, aber trotzdem. Gangu, wie alle sie nennen, verzweifelt nicht auf Dauer, sondern nimmt ihr Schicksal in die Hand und kämpft für die Rechte der Sexarbeiterinnen Indiens. Bis zu Nehru schafft sie es mit ihrem Anliegen. Nach Bollywood-Manier führen mitreißender Tanz und Gesang durch die Handlung.

Indien ist weit, aber Alia Bhatt, deren Familie seit Generationen in der Filmindustrie tätig ist, hat auch deutsche, ja Berliner Wurzeln. Ihre Mutter Soni Razdan erzählte der Zeitung The Indian Express, dass ihre Familie mütterlicherseits aus Berlin stamme. Ihr Großvater Karl Hoelzer habe eine Untergrundzeitschrift gegen Hitler herausgegeben. „Er war kein Jude, aber hatte etwas gegen den Faschismus.“ Er sei sogar für zwei Jahre ins KZ gekommen, aber ein Rechtsanwalt habe für seine Freilassung gesorgt. Dann sei er aufgefordert worden, das Land zu verlassen und nach England gegangen.

Als ob das nicht schon unwahrscheinlich genug wäre, gibt es noch eine weitere Verbindung zwischen Alia Bhatt und Berlin. Ihr Großvater väterlicherseits stammte zwar aus Kaschmir, studierte aber Architektur in London und kam 1948 mit der Tanztruppe um Ram Gopal in die deutsche Hauptstadt. Er war damals 19 und spielte Geige. Im Schiller-Theater sei er aufgetreten, erzählt Alia Bhatt. Die Welt ist klein.

Alia Bhatt ist zweifellos eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen des indischen Kinos. Ihre Karriere begann als Teenager: 2012 gab sie ihr Debüt in dem romantischen Drama „Student of the Year“. Schnell etablierte sie sich als vielseitige Darstellerin. In den folgenden Jahren spielte sie in Kassenschlagern wie „2 States“, „Humpty Sharma Ki Dulhania“ und „Badrinath Ki Dulhania“ mit. Internationale Anerkennung brachte ihr der Film „Gully Boy“ (2019), der auf der Berlinale Wettbewerb lief und von einem indischen Rap-Künstler handelt. Für ihre Rolle in „Raazi“ gewann sie den National Film Award für die beste Hauptdarstellerin. Auch Produktion ist sie tätig: 2021 gründete sie eine eigene Firma und produzierte den Film „Darlings“.

„Gangubai Kathiawadi“ basiert auf dem Leben einer realen Frau, die in den 1960er Jahren in Mumbai als Prostituierte und später als Aktivistin bekannt wurde. Der Film, inszeniert von Sanjay Leela Bhansali, zeigt eine starke weibliche Hauptfigur, die sich gegen Unterdrückung wehrt. Alia Bhatt interpretiert Gangu mit intensiver Emotionalität. Die Tanz- und Gesangseinlagen, typisch für Bollywood, unterstreichen die Höhen und Tiefen ihrer Reise.

Die Berliner Wurzeln von Alia Bhatts Familie sind ein faszinierendes Detail. Ihr Urgroßvater Karl Hoelzer war ein mutiger Mann, der sich gegen das NS-Regime auflehnte. Die Untergrundzeitschrift, die er herausgab, zielte darauf ab, die Bevölkerung über die Gefahren des Faschismus zu informieren. Nach seiner Inhaftierung im Konzentrationslager und der anschließenden Ausweisung nach England baute er ein neues Leben auf. Diese Geschichte zeigt, wie weit die Familiengeschichte reicht und wie persönliche Erfahrungen mit globalen historischen Ereignissen verwoben sind.

Alia Bhatts Großvater väterlicherseits erlebte Berlin in der Nachkriegszeit. 1948 war die Stadt noch weitgehend zertrümmert, aber bereits im Wiederaufbau. Sein Auftritt im Schiller-Theater, einem wichtigen Kulturort, zeigt die kulturellen Verbindungen zwischen Indien und Deutschland. Diese biografischen Details werden von Alia Bhatt selbst in Interviews betont. Sie sieht sich als kosmopolitische Künstlerin, deren Identität verschiedene Kulturen vereint.

Der Erfolg von „Gangubai Kathiawadi“ in Deutschland wird zeigen, ob das deutsche Publikum bereit ist, sich auf Bollywood-Filme mit ernster Thematik einzulassen. Bisher sind eher leichte Komödien oder Actionfilme aus Indien erfolgreich. Aber mit der Erwähnung der Berliner Verbindungen könnte das Interesse wachsen. Alia Bhatt selbst hat angekündigt, in Zukunft vielleicht mehr Projekte in Deutschland zu verwirklichen. Ihre Vielsprachigkeit und ihr kulturelles Verständnis machen sie zur idealen Brückenbauerin.

In der indischen Filmindustrie ist Alia Bhatt mittlerweile eine feste Größe. Sie wird häufig für ihr Modebewusstsein und ihren sozialen Aktivismus gelobt. Sie setzt sich für Tierrechte, Bildung von Mädchen und Umweltschutz ein. Ihre öffentliche Präsenz auf Plattformen wie Instagram und Twitter ist enorm. Sie nutzt diese Kanäle, um auf Missstände aufmerksam zu machen und ihre Fans zu mobilisieren.

Der Film „Gangubai Kathiawadi“ ist auch ein soziales Statement. Er thematisiert die Ausbeutung von Frauen und die Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen. In Indien ist das ein kontroverses Thema. Die Zensurbehörden haben einige Dialoge und Szenen beanstandet, aber der Film kam ungeschnitten in die Kinos. Alia Bhatt erklärte in Interviews, dass sie die Rolle nicht als Skandal betrachte, sondern als eine Form der Emanzipation.

Die Berlinale 2022 war für Alia Bhatt ein besonderer Moment. Sie reiste mit ihrer Familie nach Berlin und besuchte historische Stätten ihrer Vorfahren. Bei einem Pressetermin zeigte sie sich emotional, als sie von ihrem Urgroßvater sprach. „Ich fühle mich hier zu Hause“, sagte sie. Diese Verbundenheit könnte langfristige Auswirkungen haben: Deutsche Produktionsfirmen haben bereits Interesse an gemeinsamen Projekten signalisiert.

Zusammenfassend ist Alia Bhatt nicht nur ein Bollywood-Star, sondern auch eine Kunstfigur mit globalen Bezügen. Ihre Familie überlebte den deutschen Faschismus und brachte sie in die indische Filmindustrie. Ihr neuer Film zeigt eine mutige Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Und sie selbst steht für eine junge Generation, die kulturelle Grenzen überwindet und Geschichte als lebendiges Erbe betrachtet.


Source: Berliner Zeitung News


Share:

Your experience on this site will be improved by allowing cookies Cookie Policy