Carlos Alcaraz, der siebenmalige Grand-Slam-Sieger und Weltranglistenzweite, sendet positive Signale aus seiner Rehabilitation. Nach einer mehrwöchigen Pause aufgrund einer Handgelenksverletzung konnte der 23-Jährige die Schiene ablegen, die er vorübergehend tragen musste. In dieser Woche wird er sich in Barcelona unter der Aufsicht von Dr. Ángel Ruiz-Cotorro medizinischen Untersuchungen unterziehen, um den Heilungsfortschritt zu überprüfen und den weiteren Fahrplan für seine Rückkehr auf die ATP-Tour zu bestimmen.
Alcaraz hatte sich die Verletzung am rechten Handgelenk vor zwei Monaten zugezogen, was ihn bereits zur Absage des Grand-Slam-Turniers in Wimbledon (29. Juni bis 12. Juli) zwang. Dieser Rückschlag war besonders bitter, da der Spanier in den letzten Jahren auf Rasen außergewöhnliche Erfolge gefeiert hatte – darunter sein erster Wimbledon-Titel 2023 gegen Novak Djokovic. Die Verletzungsserie des Ausnahmetalents, das aufgrund seiner Explosivität und Vielseitigkeit von vielen als legitimer Thronfolger des ‚Big Three‘ angesehen wird, hat immer wieder für Diskussionen gesorgt. Sein Team und sein Arzt Dr. Ruiz-Cotorro, der auch für andere spanische Topstars wie Rafael Nadal tätig war, setzen auf eine konservative, aber dennoch konsequente Behandlung.
Heilungsverlauf und erste Fortschritte
Laut dem spanischen Radiosender RNE, der für seine verlässlichen Informationen aus dem Umfeld von Alcaraz bekannt ist, läuft der Heilungsprozess besser als erwartet. Die Schiene, die das Handgelenk ruhigstellte, um die Knochen und Sehnen zu entlasten, konnte bereits abgenommen werden. Dies ist ein erster wichtiger Schritt, bevor mit ballistischen Bewegungen und schließlich mit dem Tennisschläger trainiert werden kann. Sollten die bildgebenden Verfahren in Barcelona keine Auffälligkeiten zeigen, wird Alcaraz in den kommenden Tagen mit leichten Schlagübungen beginnen. Dabei wird er vor allem auf die Belastbarkeit des Handgelenks achten, um keine Rückschläge zu riskieren. Die Ärzte und Physiotherapeuten haben ein gestaffeltes Programm erstellt, das von Stabilitätsübungen über Kraftaufbau bis hin zu koordinativen Aufgaben reicht. Alcaraz selbst hat in den sozialen Medien nur wenige, aber optimistische Andeutungen gemacht – etwa ein Bild seiner Hand ohne Schiene, was seine Fans auf der ganzen Welt begeisterte.
Die Verletzung hatte sich im Training zugezogen, als Alcaraz bei einer unglücklichen Bewegung mit dem Schläger aufschlug. Obwohl die genaue Diagnose nicht öffentlich gemacht wurde, deuten Insider darauf hin, dass es sich um eine Zerrung des Handgelenks oder eine leichte Bänderverletzung handelte, die keiner Operation bedurfte. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn Handgelenksverletzungen können bei Tennisprofis langwierig sein und die Schlagkraft sowie das Gefühl für den Ball erheblich beeinträchtigen. Zahlreiche Spieler haben sich von solchen Verletzungen nur langsam erholt, weshalb Alcaraz und sein Team bewusst auf Nummer sicher gehen.
Ziele für den Sommer: Hartplatz-Comeback nach Wimbledon-Absage
Das erklärte Ziel des Weltranglistenzweiten ist die nordamerikanische Hartplatztournee im Sommer. Dazu gehören die beiden Masters-1000-Turniere in Montreal (2. bis 13. August) und Cincinnati (13. bis 23. August) sowie die US Open in New York, die am 26. August beginnen. Bevor er sich jedoch wieder auf die größte Bühne des Sports begibt, plant Alcaraz, bei einem kleineren Event Matchpraxis zu sammeln. Die naheliegenden Optionen sind das ATP-500-Turnier in Washington (27. Juli bis 2. August) sowie das parallel stattfindende ATP-250-Event in Los Cabos, Mexiko. Beide Wettbewerbe bieten ihm die Gelegenheit, sein Spiel unter Wettkampfbedingungen zu testen, ohne sofort das Maximum abrufen zu müssen. Washington ist traditionell eine hervorragende Vorbereitung auf die US Open, da der Belag dem in New York ähnelt – schneller, mit weniger Sprungkraft als Sand. Los Cabos hingegen lockt mit einer entspannten Atmosphäre und einem weniger stark besetzten Teilnehmerfeld, was den Wiedereinstieg erleichtern könnte.
Alcaraz hat in seiner noch jungen Karriere bereits bewiesen, dass er nach Verletzungen schnell zurückkommen kann. Im Jahr 2023, als er aufgrund einer ähnlichen Handgelenkproblematik die Australian Open verpasste, startete er im Februar mit einem Halbfinale in Buenos Aires und gewann anschließend in Rio de Janeiro. Sein enormer Ehrgeiz und die Unterstützung seines Trainerteams um Juan Carlos Ferrero lassen vermuten, dass er auch diesmal wieder zu alter Stärke finden wird. Sollte er in Washington oder Los Cabos teilnehmen, wäre dies sein erster Auftritt seit seinem letzten Match bei den French Open, wo er überraschend im Viertelfinale gegen den späteren Finalisten Casper Ruud verlor – ein Spiel, das er aufgrund der Schmerzen im Handgelenk möglicherweise nicht vollständig absolvieren konnte.
Hintergrund: Alcaraz‘ Dominanz und die Verletzungsproblematik
Carlos Alcaraz Garfia wurde 2003 in El Palmar, Murcia, geboren und gilt als eines der größten Talente in der Geschichte des Tennis. Mit 19 Jahren wurde er 2022 die jüngste Nummer 1 der ATP-Weltrangliste, nachdem er die US Open gewonnen hatte. Seitdem hat er sein Grand-Slam-Konto auf sieben Titel ausgebaut: Neben den US Open (2022, 2025) holte er Wimbledon (2023, 2024), die French Open (2024, 2025) und die Australian Open (2026). Diese Erfolge brachten ihm Vergleiche mit den Legenden Rafael Nadal, Novak Djokovic und Roger Federer ein. Sein kraftvoller Grundlinienschlag, gepaart mit einer außergewöhnlichen Beweglichkeit und einem ausgeprägten Spielverständnis, machen ihn zu einem gefürchteten Gegner auf jedem Belag.
Dennoch hat Alcaraz immer wieder mit kleineren Verletzungen zu kämpfen – insbesondere an Beanspruchungszonen wie dem unteren Rücken, den Oberschenkeln und eben dem Handgelenk. Kritiker führen dies auf seinen extrem athletischen Spielstil zurück, bei dem er oft durch abrupte Stopps, explosive Starts und akrobatische Schläge auffällt. Sein Körper wird dabei bis an die Grenzen belastet. Das Team um ihn hat daher spezielle Präventionsprogramme entwickelt, doch das Risiko bleibt hoch. Die aktive Turnierpause könnte ihm jedoch auch eine ungewollte Erholung verschaffen – nach einem anstrengenden Sandplatz-Frühjahr, in dem er die Turniere in Monte Carlo, Barcelona, Madrid und Rom bestritt, bevor er in Paris aufgeben musste.
Während seiner Abwesenheit hat die ATP-Tour nicht stillgestanden. Novak Djokovic, der nach seinem Titel bei den Australian Open 2026 erneut die Nummer 1 zurückeroberte, und Jannik Sinner, der sich in diesem Jahr als Dauerbrenner etablierte, haben ihre Chancen genutzt. Alcaraz‘ Punktzahl als Nummer 2 wird durch die ausbleibenden Turniere zwar sinken, aber nach seiner Rückkehr könnte er mit guten Ergebnissen schnell wieder aufschließen – vorausgesetzt, die Hand gänzlich regeneriert.
Medizinische Details und Erfahrungen mit Handgelenksverletzungen im Tennis
Handgelenksverletzungen sind im Profisport – und speziell im Tennis – nicht ungewöhnlich. Sie treten häufig bei einhändigen Rückhändern oder bei extremer Pronation im Aufschlag auf. Alcaraz hingegen spielt eine beidhändige Rückhand, bei der das dominante rechte Handgelenk dennoch stark belastet wird, insbesondere bei der Vorhand mit Topspin. Die Schiene, die er trug, diente der Ruhigstellung des Handgelenks, um eine Fraktur, eine Sehnenscheidenentzündung oder eine Bänderdehnung ausheilen zu lassen. Nach dem Ablegen der Schiene folgen nun physiotherapeutische Übungen zum Wiederaufbau der Beweglichkeit. Sollten die Untersuchungen in Barcelona positiv verlaufen, kann Alcaraz mit leichtem Balltraining beginnen – zunächst mit Kunststoffbällen oder einem weichen Softball, um die Gelenkmechanik zu testen.
Die Zusammenarbeit mit Dr. Ángel Ruiz-Cotorro bürgt für höchste medizinische Qualität. Der Arzt begleitet seit über 30 Jahren das spanische Davis-Cup-Team und betreute auch Rafa Nadals komplette Karriere. Er setzt auf einen Mix aus modernster Diagnostik, konservativer Therapie und individueller Anpassung. Gerade bei jungen Spielern wie Alcaraz wird große Vorsicht walten gelassen, um Spätschäden zu vermeiden. In der Vergangenheit haben viele Spieler wie Juan Martín del Potro oder Andy Murray nach Handgelenksoperationen Monate gebraucht, um wieder auf höchstem Niveau zu spielen. Alcaraz scheint auf dem besten Weg, diese Hürde zu nehmen.
Ein mögliches Comeback in Washington oder Los Cabos wäre für die Fans ein Grund zur Freude – und für die Turnierorganisationen ein Segen, denn kaum ein Spieler zieht derzeit mehr Zuschauer an als der charismatische Spanier. Die Ticketverkäufe für die US Open sind bereits jetzt hoch, und die Organisatoren rechnen mit einem nochmaligen Anstieg, sobald Alcaraz seine Teilnahme bestätigt. Die nächsten Tage werden zeigen, ob der Plan aufgeht. Bis dahin heißt es für Alcaraz: Geduld, Rehabilitation und der Blick nach vorne auf eine baldige, erfolgreiche Rückkehr auf die ATP-Tour.
Source: tennisnet.com News