Prinz William (44) verzichtet künftig auf Mieteinnahmen aus einem leerstehenden Gefängnis. Wie die BBC berichtet, will der britische Thronfolger die jährlich rund 1,5 Millionen Pfund (etwa 1,7 Millionen Euro), die für das Dartmoor-Gefängnis in der Grafschaft Devon gezahlt werden, nicht länger für sich persönlich vereinnahmen.
Vom Finanzjahr 2026/27 an soll die Summe aus seinen Einkünften aus dem Herzogtum Cornwall herausgerechnet werden. Statt in die Tasche des Prinzen soll das Geld nach seinem Wunsch in die Erneuerung der Gemeinde vor Ort fließen. Hintergrund ist die Lage rund um die Haftanstalt: Das Gefängnis der Kategorie C steht seit Juli 2024 leer, nachdem in den Unterkünften der Insassen erhöhte Radon-Werte gemessen worden waren.
Hintergrund: Das Dartmoor-Gefängnis und seine Bedeutung für Princetown
Das Dartmoor-Gefängnis liegt in der abgelegenen Gemeinde Princetown im Herzen des Dartmoor-Nationalparks. Es wurde 1809 eröffnet und diente ursprünglich als Kriegsgefangenenlager während der Napoleonischen Kriege. Später wurde es zu einem zivilen Gefängnis umgebaut, das vor allem für Langzeitinsassen und solche mit mittlerer Sicherheitsstufe (Kategorie C) genutzt wurde. Über zwei Jahrhunderte hinweg war die Haftanstalt der wirtschaftliche Ankerpunkt von Princetown. Fast alle Arbeitsplätze in der Region hingen direkt oder indirekt mit dem Gefängnis zusammen – von den Angestellten des Justizvollzugs über lokale Lieferanten bis hin zu den wenigen Geschäften und Pubs, die von den Besuchern und Familienangehörigen der Insassen profitierten.
Die Schließung im Juli 2024 war ein schwerer Schlag für die Gemeinde. Die Messung erhöhter Radon-Werte, eines radioaktiven Edelgases, das in Granitböden natürlich vorkommt, zwang die Behörden zu einer sofortigen Evakuierung. Zwar wurden Provisorien geschaffen, doch eine Rückkehr der Insassen war aufgrund der Gesundheitsrisiken nicht möglich. Das Justizministerium entschied, den Mietvertrag nicht zu verlängern, obwohl er bis 2047 lief. Der Staat zahlte jedoch weiterhin die vereinbarte Miete, da das Gelände noch nicht an andere Nutzer übergeben werden konnte.
Die wirtschaftlichen Folgen für Princetown
Mit dem Abzug der rund 600 Insassen und des damit verbundenen Personals verlor Princetown mit einem Schlag seine Lebensader. Die Einwohnerzahl sank, lokale Geschäfte meldeten Umsatzrückgänge von bis zu 70 Prozent. Die Gemeinde bat die Regierung um Hilfe, aber die Bürokratie zog sich hin. In dieser Situation griff Prinz William ein. Als neuer Prinz von Wales und Träger des Herzogtums Cornwall steht er in der Verantwortung für die Ländereien und Gemeinden, die zu diesem historischen Besitz gehören. Das Dartmoor-Gefängnis steht auf Land des Herzogtums Cornwall, das seit 1337 jeweils dem ältesten Sohn des Monarchen übertragen wird. Die Einkünfte aus dem Herzogtum fließen traditionell an den Thronfolger – sie sind seine private Einnahmequelle, teilweise zur Finanzierung seiner öffentlichen und wohltätigen Aktivitäten.
Der Pachtvertrag selbst stammt aus einer Zeit, in der weder Charles (77) König noch William Prince of Wales war. Eine Recherche der Sendung Dispatches und der Sunday Times hatte 2024 ans Licht gebracht, dass das Herzogtum 2022 einen 37-Millionen-Pfund-Deal abgeschlossen hatte, um das Dartmoor-Gefängnis an das Justizministerium zu vermieten. Vereinbart wurden über 25 Jahre hinweg 1,5 Millionen Pfund pro Jahr – hinzu kam eine Abmachung mit dem Verteidigungsministerium, die den Streitkräften Übungen auf dem Gelände von Dartmoor erlaubt.
Die Entscheidung des Prinzen
Prinz William traf seine Entscheidung nach eigenem Bekunden aus tiefer Sorge um die Menschen in Princetown. Sein Privatsekretär Ian Patrick erklärte gegenüber der BBC: „Prinz William weiß, dass das Gefängnis für viele Menschen in Princetown seit Langem zum Gefüge der Gemeinde gehört. Seine Schließung hat echte Unsicherheit ausgelöst – nicht nur mit Blick auf Arbeitsplätze und Betriebe, sondern auch im Hinblick auf die Zukunft des Ortes selbst.“ Williams Schritt ist bemerkenswert, da er auf eine sichere jährliche Einnahmequelle von 1,5 Millionen Pfund persönlich verzichtet. Im Gegensatz zu vielen anderen königlichen Einkünften, die über den Sovereign Grant laufen, sind die Erträge des Herzogtums Cornwall Privatbesitz des Prinzen – er könnte das Geld theoretisch für sich behalten. Doch er entscheidet sich dagegen.
Stattdessen wird die Summe ab dem Finanzjahr 2026/27 aus dem Einkommen des Herzogtums herausgerechnet und fließt in einen von der Gemeinde getragenen Förderfonds. Dieser Fonds soll soziale, wirtschaftliche und ökologische Projekte in und um Princetown unterstützen. Geplant sind unter anderem die Renovierung von Gemeinschaftseinrichtungen, die Förderung des nachhaltigen Tourismus im Nationalpark und Umschulungsprogramme für ehemalige Gefängnismitarbeiter. Auch ein Zentrum für Handwerk und lokale Produkte ist im Gespräch. Die Gemeindevertretung von Princetown begrüßte den Schritt als „wichtiges Signal der Solidarität“ und hofft, dass der Fonds langfristig die Abwanderung stoppen kann.
Das Herzogtum Cornwall: Eine 700-jährige Institution
Um die Bedeutung dieser Entscheidung zu verstehen, ist ein Blick auf das Herzogtum Cornwall hilfreich. Es wurde 1337 von König Edward III. gegründet, um den Thronfolger (jeweils den ältesten Sohn des Monarchen) finanziell unabhängig zu machen. Heute umfasst das Herzogtum rund 51.800 Hektar Land in 19 Grafschaften, vor allem in Südwestengland. Dazu gehören landwirtschaftliche Flächen, Wälder, Gewerbeimmobilien und auch das Dartmoor-Gefängnis. Die Einkünfte beliefen sich zuletzt auf über 20 Millionen Pfund pro Jahr. Der Prinz von Wales kann über diese Mittel frei verfügen – er finanziert damit nicht nur sein Privatleben, sondern auch einen großen Teil seiner öffentlichen Aktivitäten und wohltätigen Engagements. Dass William nun einen Teil dieser Einnahmen direkt an die Gemeinschaft weitergibt, ist ein Novum in der Geschichte des Herzogtums. Es zeigt einen neuen Ansatz in der royalen Philanthropie, der weniger auf symbolische Gesten als auf konkrete wirtschaftliche Unterstützung setzt.
William selbst hat in den letzten Jahren mehrfach betont, dass er die Rolle des Thronfolgers modernisieren will. So setzt er sich für Obdachlosenhilfe ein, fördert psychische Gesundheit und Umweltprojekte. Der Verzicht auf die Gefängnismiete passt in dieses Bild: Er zeigt, dass persönliche finanzielle Interessen hinter das Gemeinwohl zurücktreten können. Auch wenn Kritiker anmerken, dass der Verzicht nur einen Bruchteil seines Gesamteinkommens ausmacht, ist die symbolische Wirkung nicht zu unterschätzen.
Die Zukunft des Dartmoor-Gefängnisses
Was mit dem leerstehenden Gefängnis langfristig passiert, ist noch unklar. Das Justizministerium hat angekündigt, die Liegenschaft nicht mehr als Haftanstalt nutzen zu wollen. Stattdessen prüft die Regierung eine Umwandlung in ein Bildungszentrum oder ein Museum. Die örtliche Bevölkerung bringt auch Ideen für bezahlbaren Wohnraum oder ein Innovationszentrum für grüne Technologien ein. Das Herzogtum Cornwall und die Gemeindevertretung arbeiten an einer Machbarkeitsstudie. Die Mietzahlungen des Staates laufen noch bis 2047 – das Geld aus dem Verzicht von William wird also vorerst aus dem Justizministerium kommen. Doch langfristig könnte das Gelände auf andere Weise Einnahmen generieren, die dann wiederum der Region zugutekommen.
Prinz William hat mit seiner Entscheidung einen Präzedenzfall geschaffen. Es bleibt abzuwarten, ob er auch bei anderen Einkünften des Herzogtums ähnlich verfahren wird – etwa bei Windparks oder Landwirtschaftspachten. Für die Bewohner von Princetown ist seine Geste ein Lichtblick in einer schwierigen Zeit.
Source: BUNTE.de News